Tillich in Freital: „Gewalt inakzeptabel“
Nach tagelangen Protesten und teils gewaltsamen Auseinandersetzungen hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Asylbewerberunterkunft Hotel "Leonardo" in Freital besucht. Er sei gekommen, um sich ein Bild zu machen, sagte er bei seiner Ankunft am Donnerstagnachmittag. Er verwies auf den "enormen Zustrom" an Flüchtlingen, der auch anderenorts in Deutschland und Europa eine große Herausforderung sei. "Völlig inakzeptabel sind aber Drohungen, Hetze und Gewalt gegen Bürgermeister und Landräte, die sich engagieren, für eine menschenwürdige Unterkunft zu sorgen", sagte Tillich. Hier würden "Recht und Gesetz ihre volle Anwendung finden". Bei seinem Besuch in dem früheren Hotel kam Tillich auch mit einer Flüchtlingsfamilie zusammen.Integrationsministerin Köpping: Situation ist beängstigendIntegrationsministerin Petra Köpping sagte, die Lage habe sich von Abend zu Abend zugespitzt, es bleibe nicht beim bloßen Aufruf zur Gewalt. Dies sei beängstigend, so Köpping. "Die Männer, Frauen und Kinder, die bei uns Schutz suchen, sehen sich wieder einer Bedrohung gegenüber - das kann nicht sein", teilte Köpping mit. Seit Montag stehen sich jeden Abend Gegner und Befürworter gegenüber, dabei gab es fremdenfeindliche Parolen, aber auch Angriffe auf Pro-Asyl-Demonstranten.Demonstration auch am MittwochabendAuch am Mittwochabend hatten in Freital am Hotel "Leonardo" Asylgegner und Unterstützer demonstriert. Nach Angaben des Polizeisprechers vor Ort, waren etwa 80 Teilnehmer zu der Pro-Asyl-Demo gekommen. Bei der Demo der Flüchtlingsgegner wurden etwa 160 gezählt. Von dort gab es immer wieder fremdenfeindliche Sprechchöre.Flaschenwürfe auf Pro-Asyl-Demonstranten Zudem wurden Flüchtlingsunterstützer beim Verlassen der Demo mit Bierflaschen beworfen, einer wurde dabei leicht verletzt, teilte der Polizeisprecher mit. Eine ärztliche Versorgung sei nicht notwendig gewesen. Die Flaschenwerfer konnten zunächst nicht gefasst werden, man hoffe aber durch die Täterbeschreibung, die Angreifer zu ermitteln, hieß es.Polizei nach Angriffen im gesamten Stadtgebiet präsentGegen 23.00 Uhr hatten sich beide Demonstrationen aufgelöst, die Polizei begleitete die Teilnehmer der Pro-Asyl-Demo zum Bahnhof in Freital. 120 Beamte waren im Einsatz. Allein rund um die Flüchtlingsunterkunft hatte die Polizei über ein Dutzend Fahrzeuge positioniert, auch im Freitaler Stadtgebiet standen an mehreren Kreuzungen Polizeifahrzeuge. Hintergrund: nach der Demonstration am Dienstagabend waren Pro-Asyl-Demonstranten von zwei Autos von Freital bis nach Dresden verfolgt worden und an der HEM-Tankstelle auf der Tharandter Straße mit einem Baseballschläger attackiert worden. Die Tatverdächtigen konnten wenig später gestellt werden.Es war inzwischen der dritte Demonstrationstag in Folge in Freital. Am Montagnachmittag hatte die Landesdirektion mitgeteilt, das Hotel Leonardo neben der Belegung mit bis zu 100 Flüchtlingen durch den Landkreis, auch zu einer Interimserstaufnahmeeinrichtung zu machen. Bis zu 280 weitere Flüchtlinge werden dort untergebracht. Montagabend kam es zu einer aufgeheizten Demonstration, Böller wurden im Umfeld gezündet. Auch Dienstagabend wurde am Hotel "Leonardo" demonstriert.Kein Fingerspitzengefühl: Bus mit Flüchtlingen kommt während Demo anAuch am Mittwochabend kam ein Bus mit 50 Flüchtlingen am Hotel "Leonardo" an, begleitet von fremdenfeindlichen Sprechchören. Wie Polizeisprecher Thomas Geitner unserem Sender im Interview sagte, sei man selbst erst sehr kurzfristig informiert worden. Der Bus sei dann unter Begleitung der Polizei zu der Flüchtlingsunterkunft gebracht worden.Sprechchöre von Gegnern der Asylunterkunft in Freital im Video:
#freital Sprechchöre gegen "kriminelle Ausländer". pic.twitter.com/zaMsefkKTP
— Radio Dresden (@RadioDresden) 24. Juni 2015