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Großrazzia in Dresden wegen Vorfällen in Karlsruhe

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Ein Polizeigroßaufgebot ist seit Dienstagmorgen in Dresden und Umgebung bei einer großangelegten Razzia im Einsatz. Raphael Fiedler vom Polizeipräsidium Karlsruhe sagte, Hintergrund seien die Vorfälle beim Dynamo-Spiel in Karlsruhe im Mai 2017. 200 Beamte aus Baden-Württemberg, sowie 200 aus Sachsen, rückten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe u.a. an einem Gebäude an der Zwickauer Straße in Dresden an, durchsuchten die Räume. Auch ein Fanshop im Robotron-Areal betroffen und das Fanhaus.Selbst Fanprojekt Dresden betroffenAuch das Fanprojekt Dresden, das Sozialarbeit mit jungen Dynamo-Fans organisiert, war von der Maßnahme der Karlsruher Ermittler betroffen. Polizisten seien am Morgen mit einem Durchsuchungsbeschluss am Fanhaus an der Löbtauer Straße aufgetaucht, seien dann später ergebnislos abgerückt. Die Leitung des Fanprojektes reagierte irritiert auf den Polizeieinsatz. Fanprojekt-Leiter Torsten Rudolph zeigte kein Verständnis für die Maßnahme. Man mache Sozialarbeit, von der öffentlichen Hand gefördert. Viel Vertrauen, dass aufgebaut wurde, sei zerstört worden. Man überdenke nun die bisherige Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Polizei bestätigte auf unsere Nachfrage bei der Pressekonferenz, dass im Fanhaus nichts gefunden wurde. Die Büros der Mitarbeiter seien nicht betroffen gewesen. Es sei darum gegangen Beweismittel sicherzustellen, gefunden wurde dort nichts. Hören sie das vollständige Interview mit Torsten Rudolph vom Fanprojekt am Ende des Textes.Die Vorwürfe der StaatsanwaltschaftErmittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Versammlungs- und Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet. In Karlsruhe gibt es eine Ermittlungsgruppe "Dynamo". Es gab Durchsuchungen in 35 Wohnungen und Geschäftsräumen - überwiegend im Raum Dresden, in Zwickau, in Freital, aber auch in Brandenburg, Baden-Württemberg und sogar in der Schweiz.Bei der Durchsuchung sei der Trabi vom Fanmarsch sichergestellt worden, sowie Pyrotechnik, Handys und PCs. Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Ermittler gegen 28 Personen. Diese seien als Organisatoren des Fanmarsches über Videos, aber auch über Recherchen im Internet ermittelt worden, hieß es auf einer Pressekonferenz. Eine deutscher Fan sei bei einer Durchsuchungen in der Schweiz vorläufig festgenommen worden. Am Nachmittag ergänzte ein Polizeisprecher, dass gegen den Mann Haftbefehl erlassen worden sei, weil in seiner Wohnung größere Mengen Pyrotechnik gefunden worden seien.Ermittlungen richten sich gegen Organisatoren von FanmarschDie Durchsuchungen hätten sich nicht gegen "einfache Fans" gerichtet, die beim Fanmarsch in Camouflage mitgelaufen sind. Vielmehr ging es gegen die Organisatoren des Marsches, hieß es. Es sei aber beispielsweise kein Böllerwerfer konkret namentlich ermittelt worden. Die Organisatoren des Fanmarsches seien aber mitverantwortlich, hieß es auf der Pressekonferenz.Auch ein Fanshop sei betroffen gewesen, teilte die Polizei mit. Nach unseren Informationen handelte es sich um das Planet44, dort wurde auf der Facebook-Seite die kurzfristige Schließung heute vermeldet.Der Auftritt der sogenannten Football-Army hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei leitete Ermittlungen ein, weil u.a. ein Einlass gestürmt und ein Imbiss geplündert worden seien. Dynamo war zu 75.000 Euro Strafe und einem Bewährungsteilausschluss verurteilt worden. Die Vorfälle in Karlsruhe hatten bundesweite Reaktionen ausgelöst.

Audio:

Fanprojekt-Leiter Torsten Rudolph im Interview
Beitrag zur Razzia und Pressekonferenz

Die Pressekonferenz

Pressemitteilung der Polizei und Staatsanwaltschaft In der Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei Karlsruhe heißt es: "Die den Marsch begleitenden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten wurden aus der Menge heraus mit Pyrotechnik beworfen und beschossen. 21 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte erlitten hierbei schmerzhafte Knalltraumata. Auf ein Signal überrannten die Marschteilnehmer am Wildparkstadion mit massiver Körpergewalt die Einlasskontrollen. Dabei wurde eine Vielzahl von Ordnungskräften verletzt. Zudem konnten unkontrolliert pyrotechnische Gegenstände ins Stadion gebracht werden, die während des gesamten Fußballspiels aus dem einheitlich uniformierten Gästeblock abgefeuert wurden." Und weiter heißt es in der Polizeimitteilung: "Dresdner Fans, die ohne einheitliche Tarnkleidung in den Gästeblock kamen, wurden mit Körpergewalt hinausgedrängt. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe leitete in der Folge mehrere Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und Sprengstoffgesetz ein." "Beim Polizeipräsidium Karlsruhe wurde die Ermittlungsgruppe „Dynamo“ gebildet. Anhand der polizeilichen Ermittlungsergebnisse zum Fanmarsch erwirkte die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Karlsruhe Durchsuchungsbeschlüsse für 33 Wohnungen und Geschäftsräumlichkeiten. Der überwiegende Anteil der Durchsuchungsobjekte liegt dabei in Dresden und Umgebung. Es sind aber auch Objekte in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz betroffen. Die Maßnahmen richten sich gegen mehr als 20 Tatverdächtige. Am Morgen des 05. Dezember 2017 wurden sämtliche Durchsuchungsmaßnahmen gleichzeitig vollzogen."

Update 15:55 Uhr: Durchsuchunsmaßnahmen wurden zeitgleich bei insgesamt 28 Tatverdächtigen in Sachsen, Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz durchgeführt. Diese stehen im Verdacht, den Fanmarsch und die Gewalttätigkeiten organisiert zu haben. Die Verfahren richten sich nicht gegen Personen, die bei dem Marsch lediglich als einfache Fans teilgenommen und sich nicht an den Gewalttätigkeiten beteiligt haben. Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem eine hohe zweistellige Zahl an Smartphones, Computer und Speichermedien, sowie Pyrotechnik im Kilobereich sichergestellt. Daneben wurde das Kraftfahrzeug beschlagnahmt, das dem Fanmarsch vorausgefahren war und von dem aus Anweisungen an die zirka 1.500 Personen umfassende Menge erteilt wurden. Für die Maßnahmen waren drei Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und 370 Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Karlsruhe und der Polizei Sachsen eingesetzt. Auch das Fanprojekt Dresden hatte die Vorfälle in Karlsruhe, wie zu jedem Spieltag, mit einem Fragebogen ausgewertet. Knapp 400 Reaktionen wurden damals ausgewertet:

Die Rückmeldungen zeigen, dass dieses Spiel auch unter den Dynamo-Fans sehr vielschichtig erlebt und bewertet wurde. Die Bandbreite reicht von „absolut gelungenem Auftritt, alles top!“ bis hin zu „schrecklichstes Auswärtsspiel von Dynamo Dresden“. Dies scheint vor allem davon abhängig zu sein, an welcher Stelle die jeweiligen Personen am Fanmarsch teilgenommen haben bzw. zu welchem Zeitpunkt das Stadion betreten wurde und wie die jeweiligen Eindrücke der teilnehmenden Fans waren. So haben die allerwenigsten Fans etwas von den problematischen Vorfällen an diesem Spieltag direkt mitbekommen und konstatieren eine erhebliche Diskrepanz zwischen den öffentlichen Berichterstattungen und dem eigenen Erleben am Spieltag. Explizit muss hier die Einlasssituation genannt werden. Das kurzzeitige Überrennen der Einlassschleusen wurde von einer relativ kleinen Gruppe durchgeführt und die meisten Fans, die später hinzukamen, wundern sich in der Auswertung darüber, dass überhaupt keine Einlasskontrollen stattfanden. Und weiter heißt es im Fazit des Fanprojektes: Ein großer Teil der Fans verurteilt das übermäßige Abbrennen von Pyrotechnik und etliche Schilderungen zeigen auch, dass das „Camouflage-Motto“ nicht auf ungeteilte Zustimmung traf, wenn auch sehr viele die ungewöhnliche Idee gut fanden. Auch das Stürmen des Einlasses und die Böllerwürfe auf Polizeibeamte werden von der Mehrheit angeprangert. Auch gibt es viele negative Rückmeldungen zum Catering. Das Personal sei nicht vorbereitet auf das Eintreffen der Dresdner Fans gewesen, hätte sehr langsam gearbeitet und sei schlicht überfordert gewesen. Dies entschuldige jedoch in keinster Weise das Bepöbeln der Servicekräfte. Neben teilweiser Kritik am Polizeiverhalten wird sich aber auch mehrfach lobend über den deeskalierenden Polizeieinsatz geäußert.