• Fotos: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

Zweimal Lebenslang im Görlitzer Mordprozess

Zuletzt aktualisiert:

Im Prozess zum gewaltsamen Tod eines 24-jährigen Nieskyers ist das Urteil gefallen. Die beiden Angeklagten haben lebenslange Freiheitsstrafen erhalten. Das Landgericht Görlitz erkannte auf gemeinschaftlichen Mord und erpresserischen Menschenraub. Es stellte bei der angeklagten Frau zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest. "Sie war die treibende Kraft", so die Begründung.  Bei der Verurteilten wird damit nicht nach 15 Jahren geprüft, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Vorsitzender Richter Theo Dahm schilderte ausführlich die Vorgeschichte der Tat. Dabei ging er auf die Beziehung der Angeklagten zum Vater ihres Sohnes Ben ein, der entführt werden sollte .Das Jugendamt hatte ihr das Kind weggenommen, weil sie sich um Ben nicht kümmerte. Sie trank Alkohol und nahm Drogen, hatte wechselnde Männerbekanntschaften. Die 24-Jährige wollte aber den Jungen um jeden Preis zurück. Sie bedrohte den Vater. Die Angeklagte schmiedete schließlich den Plan, den Nieskyer in ihre  Wohnung zu locken, ihn zu berauben und dann mit seinem Geld und seinem Auto die Entführung  des Kindes durchzuführen – gemeinsam mit ihrem Komplizen, dem 34-jährigen Angeklagten.

“Beide planten, den Nieskyer festzuhalten und ihn zu töten, damit er nicht zur Polizei geht und den Plan der Kindesentführung durchkreuzt“, so Dahm. Spätestens beim Eintreffen des 24-Jährigen in der Wohnung hätten Beide den Entschluss gefasst, ihn zu töten. Der Angeklagte schloss sich dem Plan seiner damaligen Freundin an. Er wollte ihr gefallen. „Sie hatten den Nieskyer bewusst ausgewählt: Er besaß ein Auto, hatte ein regelmäßiges Einkommen, er war dem Angeklagten körperlich unterlegen“, so Dahm.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger der Frau hatte nicht auf Mord plädiert. Er erkannte keine Tötungsabsicht. Sie habe sich allenfalls des schweren Raubes und der Erpressung schuldig gemacht. Dagegen erklärte der Verteidiger des Mannes, dass sein Mandant einen Mord begangen habe und dafür bestraft werden müsse. Das Urteil gegen ihn ist bereits rechtskräftig. Sowohl sein Verteidiger als auch der Staatsanwalt verzichteten auf Rechtsmittel.

 

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth