Zwei Sprengstoffanschläge in Dresden
In Dresden hat es in der Nacht zum Dienstag zwei Sprengstoffanschläge gegeben. Ziel waren laut Polizei eine Moschee in der Hühndorfer Straße im Stadtteil Cotta und das Internationale Congress Center Dresden. Um kurz vor 22:00 Uhr gab es eine Explosion an der Moschee. Der Imam, seine Frau und seine beiden Söhne befanden sich noch in dem Gebäude - sie blieben unverletzt.
Anwohner berichteten gegenüber unserem Sender von einem lauten Knall in Cotta. Zum Anschlagszeitpunkt war die vierköpfige Familie des Imam im Gebäude. Familie Turan berichtete bei uns im Interview, dass mehrere Flaschen mit einem Benzin-Gas-Gemisch auf das Gebäude geworfen worden sind. "Mehrere Flaschen hatten nicht gebrannt, hätten diese gebrannt, wären wir vielleicht tot", sagte Ibrahim Turan bei uns im Interview.
Etwa eine halbe Stunde später detonierte ein Sprengsatz zwischen dem Internationalen Congress Center und dem Maritim-Hotel. In beiden Fällen wurden Reste von selbstgebauten Sprengsätzen gefunden. Im Zuge der Ermittlungen wurde die Hotelbar geräumt. Auch Hotelgäste mit Blick zur Terrasse wurden aufgefordert sich nicht in der Nähe des Fensters aufzuhalten.
Der für heute geplante Kongress im ICD, der ENERGY SAXONY SUMMIT, finde wie geplant statt, hieß es von einem Sprecher. Direkt im Kongressgebäude gebe es keine Schäden.
Bislang gibt es noch kein Bekennerschreiben, sagte Polizeipräsident Horst Kretzschmar. Man sehe aber eine Verbindung zu den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Dresden.
Polizeipräsident Horst Kretzschmar: „Beide Anschläge stehen zeitlich im Zusammenhang. Auch wenn uns bislang kein Bekennerschreiben vorliegt, müssen wir von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgehen. Gleichzeitig sehen wir auch eine Verbindung zu den Feierlichkeiten anlässlich des Tages der Deutschen Einheit am kommenden Wochenende.“
Noch in der Nacht stimmte Dresdens Polizeipräsident den Schutz islamischer Einrichtungen in Dresden mit dem türkischen Generalkonsul ab, teilte ein Sprecher mit. Ab sofort werden die beiden Dresdner Moscheen an der Hühndorfer Straße und der Marschnerstraße von Einsatzkräften bewacht. Das islamische Zentrum am Flügelweg wird zusätzlich intensiv bestreift.
Polizei arbeitet im Krisenmodus
Polizeipräsident Kretzschmar: „Die Ereignisse haben natürlich Auswirkungen auf unsere laufenden Einsatzvorbereitungen. Ab sofort arbeiten wir im Krisenmodus! So werden wir in einem ersten Schritt weitere Objekte hinsichtlich ihrer Gefährdung neu bewerten und gegebenenfalls weitere Objektschutzmaßnahmen treffen.“
In der Nacht waren über 50 Polizeibeamte im Einsatz, darunter die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen, zivile Fahnder, ein Mantrailer sowie Ermittler des Operativen Abwehrzentrums der sächsischen Polizei.
Die weiteren Ermittlungen hat das Operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei übernommen. Am Mittag sollen auf einer Pressekonferenz weitere Auskünfte erteilt werden. Zur vollständigen Mitteilung der Dresdner Polizei. Inzwischen ist auch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden involviert. Diese gebe die weiteren Auskünfte zu den Ermittlungen, teilte eine Sprecherin des OAZ mit.
Späte Information durch Polizei
Von den Sprengstoffanschlägen auf eine Moschee und das Kongresszentrum am Montagabend in Dresden bis zur Erstinformation der Polizei sind rund zehn Stunden vergangen. Ein Sprecher erklärte das mit den nötigen Ermittlungen. Die Medieninformation datiert von 8:13 Uhr, die Anschläge waren danach um 21:53 Uhr und 22:19 Uhr der Behörde bekannt geworden. Die Gemeinde der Moschee informierte allerdings bereits in der Nacht kurz nach Mitternacht auf ihrer Facebookseite von dem Anschlag in Cotta, vermutlich durch Molotowcocktails.
Tatort am Vormittag gesperrt
Erst am Dienstagvormittag - etwa 12 Stunden nacht der Tat - wurde der Tatort abgesperrt. Bis dahin waren bereits zahlreiche Leute über die Spuren des Anschlags vor der Haustür der Moschee in Dresden-Cotta gelaufen. Ein Beamter vor Ort schüttelte den Kopf. Zwar waren bereits in der Nacht umfangreiche Spuren gesichert worden. Nach unseren Informationen erfolgte dann die Absicherung des Hauseinganges für die Tatortarbeit des Operativen Abwehrzentrums, der Zugangsbereich wurde mit Flatterband gesperrt. Nach Informationen unseres Senders sind mehrere Flaschen mit einem Benzin-Gas-Gemisch auf das Gebäude geschleudert worden, nicht alle Brandsätze detonierten.
Politische ReaktionenMinisterpräsident Tillich verurteilt Anschlag
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat den "feigen Anschlag" auf die Moschee in Dresden "auf das Schärfste" verurteilt. "Dies ist nicht nur ein Anschlag auf die Religionsfreiheit und die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft,
sondern hier wurde auch bewusst der Tod von den in der Moschee lebenden Menschen in Kauf genommen", sagte er am Dienstag. Die Polizei arbeite mit Hochdruck seit der Nacht an der Aufklärung, "um auch die öffentliche Sicherheit noch weiter zu verbessern".
Christian Hartmann, CDU:
"Ich verurteile die Anschläge gegen ein religiöses Zentrum und das ICC in Dresden aufs Schärfste", sagt Christian Hartmann, Innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. "Es ist nun wichtig, dass die Sicherheitsbehörden ihren Ermittlungen nachgehen können und die genauen Hintergründe klären", so Hartmann. "Die Täter dürfen sich keinesfalls sicher sein, dass sie damit davon kommen."
Grünen-Innenexperte Valentin Lippmann
"Ich bin entsetzt über die abscheulichen terroristischen Taten. Die fremdenfeindlichen Anschläge haben die Gefährdung von Leib und Leben von Menschen zum Ziel gehabt, sind Angriffe auf unsere freie und pluralistische Gesellschaft und sollen Ängste schüren. Dem muss entschieden entgegengetreten werden, sowohl durch eine intensive Arbeit der Sicherheitsbehörden als auch durch klare Reaktionen und Haltung der Politik. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich derartige Taten wiederholen."
"Ich erwarte, dass Innenminister Markus Ulbig umgehend den Sächsischen Landtag über die Erkenntnisse zu den Anschlägen, die aktuelle Sicherheitslage und die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen für den Tag der Deutschen Einheit in Dresden informiert."
AfD-Generalsekretär, Uwe Wurlitzer:
"Laut Polizei befand sich der Imam der Moschee mit seiner Frau und beiden Söhnen im Haus, als die Sprengladung detonierte. Die Polizei geht bisher von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, obwohl noch kein Bekennerschreiben vorliegt. Die AfD-Fraktion verurteilt dieses Attentat auf das Schärfste. Egal, von wem diese Gewalt ausging. Es deutet alles auf politisch motivierte Taten hin."
Wir informieren fortlaufend in unserem laufenden Programm und aktualisieren diesen Artikel ständig bei neuen Informationen.
Audio:
Reporter Tim Simon berichtet vom Congress Center
Wir wundern uns etwas: @PolizeiSachsen sperrt gerade (10:40 Uhr) Tatort ab, nachdem zahlreiche Leute dort rumgelaufen sind. #Dresden#Cottapic.twitter.com/hZ3zcE0uqL
— Radio Dresden (@RadioDresden) 27. September 2016






