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Mit Bettlaken: Asylbewerber türmen aus Abschiebehaft

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Eklatante Mängel bei der Überwachung haben die Flucht zweier Männer aus der Dresdner Abschiebehaft ermöglicht. Die Landesdirektion sprach am Montag von menschlichem Versagen.

Eine Kamera habe Alarm ausgelöst, so Präsidentin Regina Kraushaar. Vom Wachschutz sei das aber ignoriert worden, weil es oft Fehlalarm gab. Zwei abgelehnte Asylbewerber aus Algerien konnten so unbemerkt flüchten.

Demnach haben sich die beiden Algerier am Sonntag mit zwei aneinander geknüpften Bettlaken aus einem Fenster in den Außenbereich abgeseilt. Danach kletterten sie über einen drei Meter hohen Zaun mit Stacheldraht und rannten davon.

Bei ihrer Flucht hatten die 30 und 31 Jahre Männer auch Hilfe. Deshalb wird auch wegen Gefangenenbefreiung gegen unbekannt ermittelt. Insgesamt sechs Menschen waren laut Landesdirektion in dem Gemeinschaftsraum, als das Duo flüchtete.

Die Polizei fahndet nach den beiden algerischen Staatsbürgern. Bisher konnten die Männer aber nicht aufgegriffen werden.

Den Vorfall nutzen bereits nach wenigen Stunden bekannte Rechtsextreme für ihre Zwecke: Auf dem Telegram-Kanal der „Freien Sachsen“ wird dazu aufgerufen, die Flüchtigen zu finden. Man habe sich bereits auf die Suche gegeben, um die Männer der Polizei auszuliefern, heißt es dort.

Die Einrichtung zum Vollzug der Abschiebehaft und des Ausreisegewahrsams gehört zum Aufgabenbereich der Landesdirektion Sachsen. Aktuell sind dort 10 abgelehnte Asylbewerber zur Vorbereitung ihrer zwangsweisen Rückführung in die jeweiligen Heimatländer untergebracht.

Insgesamt stehen 58 Plätze zur Verfügung, darunter 34 für den Ausreisegewahrsam und 24 Plätze für die Abschiebungshaft. Die Einrichtung in der Dresdner Friedrichstadt ist 2018 in Betrieb gegangen.