• Ingrid Stosch Sarrasani mit ihrem Sohn André Sarrasani

Zirkus-Welt trauert um Ingrid Stosch-Sarrasani

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Die Zirkuswelt trauert um Ingrid Stosch-Sarrasani. Die 88-Jährige verstarb am 28. April in Radebeul, teilte das Management von Sarrasani mit. Der Zirkus verliert damit nicht nur seine langjährige Direktorin und Seniorchefin, sondern auch eine Frau der Tat. Ingrid Stosch-Sarrasani führte den Zirkus im Laufe der Jahre von der traditionellen Manegenkunst hin zum modernen Showunternehmen. Im Jahr 2000 übergab sie die Leitung an ihren Sohn Andre Sarrasani.

Alles begann mit einer Peitschen-Show

Ingrid Stosch-Sarrasani wurde am 28. Juni 1933 als Ingrid Wimmer in Hannover geboren. Im Alter von 16 Jahren kam sie erstmals mit dem Circus in Berührung: Per Zeitungsanzeige suchte Fred Cordon, der beste Peitschenschläger aller Zeiten, seinerzeit eine Partnerin für seine Peitschen-Show. Unter 13 Kandidatinnen wurde sie ausgesucht. Vier Wochen später folgte ihr erster Auftritt im Friedrichstadtpalast in Berlin als „Fred Cordon und Partnerin“. Ab da ging es in die Welt: Sie traten in England, Schweden, Dänemark und sogar in Amerika auf.

1956 kam die 23-jährige Ingrid Wimmer zum Circus Sarrasani. 16 Jahre lang arbeitete sie dort als Artistin und verliebte sich in Fritz Mey-Sarrasani, der seit 1956 als Circusdirektor die Fäden zog. Aus der Beziehung entstand ein Kind – Sohn André, der am 3. November 1972 geboren wurde. 1976 adoptierte die kinderlose Trude Stosch-Sarrasani, Schwiegertochter des Sarrasani-Gründers, die 43-jährige Ingrid Wimmer als Ingrid Stosch-Sarrasani.

Die 70er-Jahre führten das Circusunternehmen durch ganz Europa – und Ingrid Sarrasani in eine Doppelrolle: zum einen war sie Artistin in der Manege, zum anderen hinter den Kulissen die Lebensgefährtin des Direktors. 1980 übernahm sie schließlich als Direktorin komplett die Verantwortung für das Familienunternehmen – eine Aufgabe, der sie sich mit Hingabe widmete und die für sie 20 Jahre lang weit mehr als eine Pflicht war. Auch nach ihrem Rückzug aus der Unternehmensleitung prägte der Circus ihr Denken und Handeln – und umgekehrt. Und so war es ihrem Sohn ein Anliegen, sie im Jahr 2005 noch einmal auf die Bühne zu holen – 56 Jahre nach ihrem ersten Auftritt. In den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden präsentierte sie die Show „Sensations by Sarrasani – Das Winterspektakel“ – eine Show voller Poetik und Sensationen. Für die Poetik sorgte die Ex-Chefin selbst:  Als „Geschichtenerzählerin“ hinter der Schattenwand blickte sie auf einige Anekdoten ihres turbulenten Circuslebens zurück.

Seit der Rückkehr von Sarrasani nach Dresden war Ingrid Sarrasani wichtige Botschafterin für Sarrasani in der sächsischen Landeshauptstadt – und weit darüber hinaus. André Sarrasani sagt: „Wie verlieren die Mama und die Oma – und das Varieté und die Circuswelt eine Visionärin.“