Zerstückelte Tote im See - Zweifel an Schuldfähigkeit von 37-Jährigem
Er soll ein Ehepaar getötet, zerstückelt und die Leichenteile in einen Baggersee geworfen haben: Ein mutmaßlicher Doppelmörder aus Leipzig ist möglicherweise nur vermindert schuldfähig. Der 37-Jährige leide unter anderem an einer PPersönlichkeitsstörung und einer posttraumatischen Belastungsstörung, sagte Oberstaatsanwältin Claudia Laube am Mittwoch zu Beginn des Prozesses am Landgericht Leipzig. Dort ist der Mann wegen Mordes, Raubes und Störung der Totenruhe angeklagt. Er soll das Ehepaar im Juli 2016 aus Habgier umgebracht haben. Zum Auftakt des Prozesses schwieg der Angeklagte. Sein Verteidiger Malte Heise kündigte allerdings für den nächsten Prozesstag eine Aussage des 37-Jährigen an. Bisher hatte der Mann bestritten, die 32 Jahre alte Frau und den 37 Jahre alten Mann getötet zu haben. Stattdessen hatte er zwei andere Männer beschuldigt, gegen die auch ermittelt worden war. Laut Anklage kannten sich Opfer und Täter. Bis wenige Wochen vor der Tat wohnte der Mann demnach in der Wohnung des Paares, wo er nach einem Streit auszog. Am 23. Juli soll er dann mit einem Hammer und einem Kuhfuß bewaffnet zu der Wohnung gekommen sein. Er schlug erst den Mann und dann die Frau nieder und zertrümmerte ihnen die Schädel. Danach stach er noch mit einem Messer auf die Opfer ein. Er habe es auf die Wertsachen in der Wohnung abgesehen gehabt. Den Toten trennte er die Köpfe und Gliedmaßen ab und versenkte die Teile in dem Baggersee. Das Ehepaar und der Angeklagte stammten aus Tunesien. Alle hielten sich illegal in Deutschland auf und waren für die Behörden abgetaucht, wie Verteidiger Heise sagte. Der Asylantrag des Mannes sei abgelehnt worden. Die Männer arbeiteten schwarz auf dem Bau. Der Getötete soll eine Art Vorarbeiter des 37-Jährigen gewesen sein. Der Angeklagte ist laut Heise vielfach vorbestraft. Sowohl in Tunesien als auch in Deutschland soll er unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung und Drogendelikten aufgefallen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 37-Jährige vermindert schuldfähig sein könnte. Zudem gehe von ihm eine große Gefahr aus. Auch Verteidiger Heise sagte: „Dieser Angeklagte ist schlichtweg einfach krank.“ Wenn sich das im Laufe des Prozesses bestätigt, käme eine Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie in Betracht. Das Landgericht hat für den Prozess elf Verhandlungstage bis Mitte Juli angesetzt. Der Prozess wird am 8. Mai fortgesetzt.