- In Dresden fehlt es an Wohnungen. (Symbolbild)
Wohnungsnotstand in Dresden?
Es muss gebaut werden: Bis 2028 braucht Dresden den Neubau von rund 4.530 Wohnungen – und zwar pro Jahr. Diese Prognose für die kommenden vier Jahre hat das Forschungsinstitut Pestel ermittelt. Aktuell fehlen in der sächsischen Landeshauptstadt rund 1.480 Wohnungen. Der Neubau sei daher notwendig, um das bestehende Defizit abzubauen. Gleichzeitig gehe es darum, nicht mehr zeitgemäße Unterkünfte in alten Häusern nach und nach zu ersetzen.
An dem Wohnungsbedarf in Dresden ändere auch die Zahl leerstehender Wohnungen nichts: Der aktuelle Zensus registriert für Dresden immerhin rund 13.220 Wohnungen, die nicht genutzt werden, so das Pestel-Institut. Das seien 4,1 Prozent vom gesamten Wohnungsbestand in der Stadt. Ein Großteil davon – nämlich rund 5.110 Wohnungen – stehe jedoch schon seit einem Jahr oder länger leer.
„Das sind immerhin rund 39 Prozent vom Leerstand. Dabei geht es allerdings oft um Wohnungen, die auch keiner mehr bewohnen kann. Sie müssten vorher komplett – also aufwendig und damit teuer – saniert werden“, so Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Zu wenig, zu spät: Scharfe Kritik am Bund
Für die Verbandschefin vom Baustoff-Fachhandel Katharina Metzger steht fest: "Der Wohnungsbau ist auch in Dresden das Bohren dicker Bretter." Um voranzukommen, fordert Metzger, die Baustandards zu senken: "Einfacher bauen – und damit günstiger bauen. Das geht, ohne dass der Wohnkomfort darunter leidet. Andernfalls baut
bald keiner mehr." Es müsse ein "starkes Abspecken" bei Normen und Auflagen geben – im Bund, bei den Ländern und Kommunen.
Katharina Metzger warnt: "Am Ende stoppen überzogene Förderkriterien, Normen und Auflagen den Neubau von Wohnungen – von hoch geschraubten Klimaschutzmaßnahmen, ohne die es keine Förderung gibt, bis zu Stellplätzen, ohne die erst gar nicht gebaut werden darf."
Scharfe Kritik richtet Metzger an den Bund: "Es passiert zu wenig. Und was jetzt passiert, kommt zu spät. Wer 400.000 Neubauwohnungen – darunter 100.000 neu gebaute Sozialwohnungen – im Wahlkampf verspricht und im Koalitionsvertrag festschreibt, der darf nicht erst ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl wach werden." Ohne eine deutlich stärkere staatliche Unterstützung würden weder der notwendige Neubau noch die Sanierungen von Wohnungen im erforderlichen Umfang gelingen.
Außerdem kritisiert Metzger gemeinsam mit den Wissenschaftlern vom Pestel-Institut den geplanten Bundeshaushalt für 2025: Darin fehlten dringend notwendige Fördermittel für den Wohnungsneubau – allen voran für den sozialen Wohnungsbau. Der benötigt nach Berechnungen des Pestel-Instituts mindestens 12 Milliarden Euro pro Jahr von Bund und Ländern. Der Bund stelle für 2025 jedoch lediglich 3,5 Milliarden Euro bereit.
Auch die Perspektive sei schlecht: Bis 2028 wolle die Bundesregierung Sozialwohnungen mit weniger als 22 Milliarden fördern.
