Wo die Linie 8 bald weiter fährt
Die Stadtverwaltung Dresden und die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) planen die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8, um die neuen und bestehenden Mikroelektronikstandorte sowie Gewerbegebiete im Dresdner Norden optimal an den öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. Mit der Neuansiedlung des taiwanesischen Halbleiterherstellers TSMC 2027 und der Erweiterung der bestehenden Werke von GlobalFoundries und Bosch entstehen bis zu 8000 neue Arbeitsplätze vor Ort und bei Zulieferern.
Dresdens Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn sagt: „Die Verlängerung der Linie 8 von Hellerau über die Wilschdorfer Landstraße bis zu GlobalFoundries ist ein zentraler Baustein, um den Mitarbeitern und Anwohnern eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität zu ermöglichen.“
Weil drei Jahre Planungs- und Bauzeit im deutschen Behörden-Dschungel ambitioniert sind, prüft die Stadt bereits mehrere Trassenführungen. Aus acht möglichen Streckenführungen kristallisieren sich bereits zwei machbare heraus.
Variante 1a: Vorerlenweg und Rähnitzer Allee Süd entlang der Wilschdorfer Landstraße
Diese Variante führt von der Haltestelle „Brunnenweg“ über den Vorerlenweg und die Rähnitzer Allee Süd. Sie verläuft weiter entlang der Wilschdorfer Landstraße bis zu den Gewerbestandorten GlobalFoundries und TSMC. Vorteil dieser Variante ist eine direkte und relativ kurze Verbindung zu den Zielstandorten, die sowohl bestehende Wohngebiete als auch das Gewerbegebiet erschließt.
Variante 1b: Westlich entlang der A4 über Rähnitzer Allee Süd und Wilschdorfer Landstraße
Diese Route führt westlich entlang der Autobahn A4 und schließt ebenfalls an die Rähnitzer Allee Süd an, bevor sie sich weiter entlang der Wilschdorfer Landstraße bis zu den Gewerbegebieten erstreckt.
Diese Variante bietet eine effiziente Verbindung für Berufspendler, könnte jedoch durch die Nähe zur Autobahn aufwendiger in der Umsetzung sein.
Eine weitere Option verliefe parallel zur Boltenhagener Straße und überquert die A4 nördlich von Hellerau, bevor sie weiter über die Rähnitzer Allee Süd zur Wilschdorfer Landstraße führt. Sie würde aber umfangreiche Baumaßnahmen für die Autobahnquerung bedeuten. Baubürgermeister Kühn: „Diese Variante fällt aus Zeit- und Kostengründen aus, sie würde das Projekt um Jahre verzögern.“
Geplant ist, dass die verlängerte Linie 8 dann mit zwei Straßenbahnen jeweils im 10-Minuten-Takt Richtung Chip-Fabriken pendelt. „Dabei erwarten wir auf dem Streckenabschnitt ca 3500 mehr Fahrgäste“, erklärt Martin Gawalek, Leiter Verkehrsmanagment bei den DVB. Das Rathaus hat der rund 2 km langen Streckenerweiterung höchste Priorität eingeräumt. Ziel ist es, die Vorplanung bis Ende 2024 abzuschließen. „Ein Baubeginn 2026 wäre sehr wünschenswert, so dass Menschen, die z.B. bei TSMC einen Job annehmen, bei der Wohnungssuche die neue Trasse schon mit einplanen können“, so Gawalek.
Bis Sommer 2025 soll der Stadtrat über die zu bevorzugende Trassenvariante entscheiden. Bevor der Bau beginnen kann, folgt die Genehmigungsplanung, die mit Einreichung der Planungen bei der Landesdirektion zur Planfeststellung endet. Im Planfeststellungsverfahren bestehen die regulären Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger. Die Projektsteuerung übernimmt die städtische Gesellschaft STESAD GmbH. Zusätzlich sind zahlreiche städtische Ämter sowie externe Partner, wie die Stadtentwässerung Dresden und die SachsenEnergie, in das Projekt eingebunden.
Zu den Kosten des Vorhabens wollte sich Baubürgermeister Kühn noch nicht äußern, da die genaue Trassenführung noch nicht feststehe und man zudem auf Fördermittel vom Bund hoffe. Dass die Verlängerung der Linie 8 jedoch so kurzfristig zu schaffen sei, zeige die Erweiterung der Straßenbahnlinie 10 von der Friedrichstadt in die Messe. Diese wurde anlässlich des Kirchentags in Dresden 2011 ebenfalls kurzfristig ausgebaut - von genau dem gleichen Planer, der jetzt auch die Erweiterung gen Norden erarbeitet hat.