• Das Monument-Kunst­werk in Dresden. (Foto: dpa)

    Das Monument-Kunst­werk in Dresden. (Foto: dpa)

Wirbel um islamistische Flagge auf Monument-Bussen

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Das Monument-Kunst­werk am Dresdner Neumarkt sorgt für neuen Wirbel. Vorlage für dieses Kunst­werk war ein Foto von drei aufge­rich­teten Bussen aus der syrischen Stadt Aleppo. Auf rechts­po­pu­lis­ti­schen Seiten und Portalen wird nun kriti­siert, dass die Busse von einer terro­ris­ti­schen Rebel­len­miliz in Aleppo als Deckung zum Kampf gegen die syrische Armee genutzt wurden. Als Beleg wird in sozialen Netzwerken ein Foto gezeigt, dass die Busse mit der Flagge der Al-Scham-Miliz zeigt. Die Gruppe wird in Deutschland als terroristisch eingestuft.

Das renom­mierte TIME-Magazin hatte bereits 2015 berichtet, dass die Busse 2014 von der Al-Scham-Miliz als Schutz vor Scharfschützen der Regierung errichtet wurden. Der junge syrischer Fotograf Karam Al-Masri, der für die Nachrichtenagentur AFP Fotos liefert, sagte dem Magazin, dass die Ahar al-Sham Miliz die Busse in dieser Art aufgestellt habe. "Sie nutzen Seile, Flaschenzüge und zahlreiche Männer, um die Busse aufzurichten. Sie blockieren damit das Sichtfeld von Regierungsscharfschützen."

Von Zivil­be­völ­ke­rung errichtet?

Das Monument-Kunst­werk wurde vom Mitver­an­stalter, dem Kunst­haus Dresden, so beschrieben: "Das Motiv der aufgerichteten Busse greift ein Bild aus Aleppo auf, das bereits im März 2015 durch die Medien ging: Es zeigt eine Straße im Ostteil der Stadt, abgeschirmt durch drei Buswracks, die notdürftig mit Drahtseilen zwischen den Häusern verspannt wurden. Eine von unzähligen Straßensperren, die Zivilisten während der Kampfhandlungen in der Stadt errichteten, um das Leben von Menschen zu schützen."

Der Teufel liegt hier im Detail, die Bericht­er­stat­tung des TIME-Magazin zeigt, dass diese drei Busse offenbar nicht von Zivilisten, sondern Milizen errichtet wurden. Dass sie damit auch die Zivil­be­völ­ke­rung vor dem Beschuss durch Scharf­schützen schützten, steht außer Zweifel. Dennoch wurde das Thema von rechts­po­pu­lis­ti­schen Seiten aufge­griffen, um den Künstler und die Stadt Dresden zu attackieren. So fragt das einschlä­gige Portal PI-News, ob Dresden damit einer Terror-Miliz gedenke. Pegida-Gründer Bachmann strebt nach eigenen Angaben gar eine Zivil­klage an. Das Kunst­haus Dresden bekräf­tigte dagegen: "Verschie­dene Quellen bestä­tigen, dass die Barri­kade zum Schutz der Zivil­be­völ­ke­rung errichtet wurde."

Das sagt der Künstler

Der Künstler Manaf Halbouni sagte uns auf Anfrage, es kursieren viele Fotos, das Foto mit der Fahne sei ihm nicht bekannt gewesen. Die Aussage seines Kunst­werkes als Mahnmal für Frieden ändere sich dadurch nicht. "Mir wird unter­stellt, dass ich die Busse für eine Terror­or­ga­ni­sa­tion aufstelle. Das stimmt nicht."

"Das Bild der Barri­kade aus den drei aufge­rich­teten Bussen existiert hundert­fach im Internet. Das jetzt in den sozialen Medien von der Agentur Reuters stammende Motiv mit der Fahne der Organi­sa­tion Ahrar al-Scham sehe ich zum ersten Mal. Es ist nicht auszu­schließen, dass die Barri­kade im Kriegs­ver­lauf von verschie­denen Parteien in Anspruch genommen wurde. In der Situa­tion dieses Krieges, unter der die Zivil­be­völ­ke­rung leidet, gibt es viele Seiten. Mir geht es nicht um die Akteure, von denen die brutale Gewalt dieses Krieges ausgeht, sondern um das Leiden der Menschen in dieser Situa­tion.“

Chris­tiane Mennicke-Schwarz, Leiterin Kunst­haus Dresden, teilte schrift­lich mit: „Das Kunst­werk veran­schau­licht die Situa­tion, in der die Zivil­be­völ­ke­rung in Aleppo im Krieg leben muss. Es ist nicht die Inten­tion des Kunst­werkes, auf die komplexe Situa­tion der unter­schied­li­chen Parteien dieses Krieges Bezug zu nehmen. Das Monument zeigt einen Ausschnitt aus dieser menschen­un­wür­digen Situa­tion und ist ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt in jegli­cher Form – auch gegen die Gewalt von Terro­risten.“

Hier geht es zum Beitrag beim TIME-Magazin, dort sind die Busse mit Fahne zu sehen.

Beim später entstandenen Bild der Agentur Reuters fehlt die Fahne.

Audio:

Inter­view mit Künstler Manaf Halbouni