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Warum dieser Mann Dresden immer wieder Millionen schenkt

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Es gibt noch rund 150 Nachfahren der berühmten jüdischen Dresdner Bankiers-Familie in der ganzen Welt verstreut - USA, Brasilien, Großbritannien, Schweiz - und gut die Hälfte davon kommt dieses Wochenende in Dresden zusammen!

Denn ihnen ist es zu verdanken, dass die Stadt ein neues internationales Begegnungszentrum bekommt. Das sogenannte „Haus der Brücke“ in der Rähnitzgasse soll sprichwörtlich „Brücken zwischen Kulturen und Religionen bauen“, so Steven Schaefer, Ururenkel von Georg Arnhold.

Georg Arnhold führte seit 1881 mit seinem Bruder Max das Bankhaus Gebrüder Arnhold, das im Nazi-Regime enteignet und der Dresdner Bank zugeschlagen wurde. Das Bankhaus war in den Dreißiger Jahren eine der führenden Privatbanken Deutschlands. Über die Jahrzehnte wurde die Familie Stück für Stück für die Enteignungen entschädigt. „Jedes Mal wenn wir etwas zurück bekamen, wollten wir was an Dresden abgeben“, so Steven Schaefer. 

Aktuell spendeten sie 1,9 Mio. Euro für das ehemalige Kunsthaus in der Rähnitzgasse, das in die sanierte Robotron-Kantine umzieht. Dafür wurde Platz für das Begegnungszentrum „Haus der Brücke“. Das Geld wurde für den Umbau und die Sanierung beider Objekte eingesetzt.  

„Ich habe von meinen Eltern und Großeltern immer gehört: Dresden ist so eine schöne Stadt. Ich war 1964 das erste Mal hier und dann fast jedes Jahr ein- bis zweimal. Ich hatte immer diese besondere Beziehung zur Stadt“, erklärt Schaefer. Dabei ist die Familie durch die Nazis aus der Stadt vertrieben worden. „Einer meiner bewegendsten Momente als Oberbürgermeister war, als mir Henry Arnhold erzählte, wie seine Familie 1926 das Arnhold-Bad der Stadt gestiftet hat und er dann selbst als Kind nach 1933 nicht mehr darin baden gehen durfte“, so Hilbert ergriffen. „Dass diese Familie trotzdem weiterhin Dresden die Treue hält und einen deutlich zweistelligen Millionen-Betrag an die Stadt gespendet hat? Hut ab!“ 

Dafür gaben die Arnholds Millionen

· Unterstützung beim Wiederaufbau der Frauenkirche und der Neuen Synagoge

· Förderung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

· Stiftung der „Lisa and Heinrich Arnhold Lecture“ (seit 2001)

· „Henry Arnhold Dresden Summer School“ (seit 2012, seit 2014 jährlich)

· Stipendium an der Palucca Hochschule

· Unterstützung der Staatlichen Kunstsammlungen

Schaefer, für den Hilbert zum Freund geworden ist, erklärt: „Mein Onkel (Henry Arnhold) hat immer gesagt: Ich glaube nicht an Kollektivschuld. Sicher gab es damals Nazis in Dresden, aber es gab auch viele, die keine Nazis waren.“

Neustes Projekt

Am Sonntag eröffnet nun im Beisein von rund 80 Familienmitgliedern der Arnholds das „Haus der Brücke“ - ein künftiger Treffpunkt für die mehr als 100 Migrantenorganisationen in Dresden. Zehn Vereine haben bereits Arbeitsplätze dort angemietet, auch die Ausländerbeauftragte findet dort ihr neues Büro. Außerdem können auch andere Vereine und Gruppen verschiedene Gemeinschaftsräume im Haus nutzen. Begangen wird die Eröffnung mit einem großen Nachbarschaftsfest. 

Das Treffen der Familie Arnhold ist auch Auftakt zu den Feierlichkeiten rund um das 100-jährige Jubiläum des Georg-Arnhold-Bades, das im Jahr 2026 begangen wird. Dazu besucht die Familie am Samstag das gleichnamige Bad. 

Audio:

OB Dirk Hilbert bewegt die Spendenbereitschaft der vertriebenen Arnholds
Arnhold-Nachfahre Steven Schaefer zu Dresden und den Millionen-Spenden