Wahldebatte ohne AfD in der Landesbibliothek
Der Dresdner Verein Atticus organisiert am kommenden Wochenende eine große Diskussionsrunde zur Bundestagswahl mit den Dresdner Direktkandidaten von fünf Parteien. Die Kandidaten von CDU, SPD, Linke, Grüne und FDP sitzen auf dem Podium. Die AfD habe man bewusst nicht eingeladen, erklärt Atticus-Sprecher Eric Hattke auf unsere Nachfrage. Es könne grundsätzlich jeder zu der Veranstaltung in der sächsischen Staats- und Unibliothek "Slub" kommen, auch AfD-Sympathisanten, hieß es. Man wolle aber bestimmten Meinungen kein Podium bieten, die mit dem Demokratieverständnis und dem Menschenbild des Vereins nicht vereinbar seien.Hattke verwies dabei auf ein Statement des Vereines auf der Facebook-Seite von Atticus:"Zu unseren Veranstaltungen kann grundsätzlich jeder kommen. Dabei werden auch Menschen sein, die mit den Zielen und Aussagen der AfD sympathisieren. Wir kämen niemals auf die Idee, sie auszuladen. Die Frage ist also nicht, ob wir Menschen ein- oder ausladen. Es geht uns vielmehr darum, ob wir bestimmten Meinungen ein Podium bieten. Die TACHELES-Veranstaltungen sind dafür gedacht, zu diskutieren. Das geschieht mitunter kontrovers. Trotzdem kann es nicht sein, dort Stimmen laut werden zu lassen, die mit unserem Demokratieverständnis und unserem Menschenbild nicht vereinbar sind.Eine Veranstaltung, bei der explizit jemand eingeladen würde, dessen bisherige Äußerungen eindeutig menschenfeindlich waren, widerspräche dem Selbstverständnis und der Satzung unseres Vereins. Wir ließen dann zu, dass weiter Hass geschürt würde, indem wir dieser Stimme eine breite Öffentlichkeit bieten.Wir alle müssen den Mut haben, uns eindeutig zu positionieren. Das wird die Auseinandersetzung mit denjenigen, die Sympathien für die AfD haben, nicht leichter machen. Es wird aber den Dialog mit ihnen auch nicht unmöglich machen. Als Besucher sind alle eingeladen - auch diejenigen, die sich von der AfD angesprochen fühlen. Personen, die auch innerhalb der AfD Sachsen aufgrund ihrer menschenfeindlichen Haltung umstritten sind, wollen wir allerdings kein Forum bieten."Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt erklärte dazu auf unsere telefonische Anfrage: "Ich halte das normativ für falsch. Man hat noch nie einen Gegner besiegt, indem man über ihn redet." Patzelt führte dazu weiter aus: "Wie wenig das richtig ist, werden die meisten nach dem Wahlabend kapieren." Man habe der AfD das Feld frei überlassen, indem man darauf verzichtet hat, sie in öffentlichen Debatten zu stellen und zu besiegen, so die Einschätzung Patzelts.Auf dem Podium von Atticus werden am Samstag ab 19:00 Uhr folgende Kandidaten sitzen:- Andreas Lämmel von der CDU Dresden- Katja Kipping von DIE LINKE. Dresden- Christoph Blödner von der FDP Dresden- Christian Avenarius von der SPD Dresden- Thomas Löser vom Bündnis 90 / Die Grünen DresdenFolgende Themen will der Verein mit den Politikern diskutieren:Freiheit und Sicherheit: Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen / Struktur der Bundesbehörden / Vorratsdatenspeicherung / BurkaverbotUnsere Gesellschaft 2021: Migration / Identität / Deutsches Wertesystem / Integration / Asylsystem / gesellschaftlicher Zusammenhalt / GerechtigkeitArbeit - Bildung - Soziales: Wirtschaft / Arbeit / Bildung / Soziales / Rente / Chancengleichheit / Bedingungsloses GrundeinkommenEuropa: Osteuropa / Brexit / Grenzen / ein Staat oder Kleinstaaten? / Bürgerbeteiligung – Bürgereinbeziehung? / Solidarität / Legitimation des EU-Parlaments / FreihandelDie Plätze seien begrenzt, teilte Atticus mit. Deswegen sei eine Anmeldung erwünscht. Zudem werden für die politische Diskussionsrunde fünf Euro Eintritt fällig. "Zur Kostendeckung", sagte der Vereinssprecher, Technik und Miete müssen bezahlt werden.Mehr Informationen: https://www.facebook.com/events/1468608576519627/