Wagner-Akademie sorgt für Ärger in Dresden
Während überall das Geld knapp ist und gespart werden soll, planen die Musikfestspiele einen Konzertsaal für 60 Millionen Euro am Dresdner Königsufer. Die Stadträte sind irritiert und fordern den OB auf, Prioritäten zu setzen.
In der Öffentlichkeit wurde das Vorhaben so noch nie thematisiert. Viele Dresdner schütteln ungläubig den Kopf und reiben sich die Augen. Die Musikfestspiele, eine städtsiche Gesellschaft, haben das Ganze offenbar heimlich mit dem OB eingefädelt, ohne den Stadtrat einzubeziehen.
Die Fraktionen schäumen vor Wut, auch angesichts der Haushaltslage. Weder der Bauausschuss noch der Kulturausschuss seien über das Vorhaben informiert, wettert der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Peter Lames.
„Das ist dem Ernst der Lage nicht angemessen“, so Lames. „Unausgewogene Sparvorschläge des OB zu Lasten von Sozialem liegen auf dem Tisch, die Grundsteuer soll nach seinem Willen erhöht, Elternbeiträge zur Kita auf das Maximum angehoben werden. Die Kulturbürgermeisterin beklagt fehlende Mittel, um bestehende Kultureinrichtungen wie Hygienemuseum oder Festspielhaus Hellerau wie bisher weiter zu betreiben, das Elbamare soll ersatzlos schließen, seit Jahren versprochene Schwimmbadneubauten fallen aus. Bei den Verkehrsbetrieben sollen Angebote reduziert werden. Die Finanzierung des Neubaus der Carolabrücke ist noch zu lösen. Da sendet der Oberbürgermeister das Signal, dass Dresden in Sichtweite zur zerstörten Brücke ein neues Kulturprojekt stemmen möchte. Das trotzige Festhalten an der 18er-Party ist im Verhältnis dazu eine Kleinigkeit. Aber mal eben so ein Konzerthaus zusätzlich: Da muss doch im Bund der Eindruck aufkommen, dass Dresden für die anderen Fragen Geld genug hat. Auch die Mitglieder des Haushaltsausschusses sollten offen bleiben für den Bedarf, der in Dresden wirklich dringend ist.“
Auch die CDU ist verärgert und irritiert. „Ob in der aktuellen Situation der Kultureinrichtungen der Aufbau einer neuen Akademie insbesondere auch mit dem Neubau eines eigenen Gebäudes mit Orchester- und Konzertsaal – notwendig und die richtige Prioritätensetzung ist, wage ich zu bezweifeln“, erklärt der kulturpolitische Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion, Mario Schmidt. „Die Verwaltungsspitze beweist leider einmal mehr, wie wenig ihr an einer vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Stadtrat gelegen ist. Die Dresdner Musikfestspiele sind organisatorisch im Amt für Kultur und Denkmalschutz angesiedelt, ein Fördermittelantrag beim Bund konnte also nur mit Unterstützung der Kulturverwaltung erfolgen.“
Für die Wagner-Akademie hat der Bundestag in dieser Woche 15 Millionen Euro Fördermittel bewilligt. Errichtet werden soll ein weiterer Konzertsaal mit 600 Plätzen, ein weiterer Chorprobensaal mit 100 Zuschauerplätzen, ein Orchesterprobenraum, Konferenz- und Seminarräume sowie Büros der Dresdner Musikfestspiele für bis zu 20 Mitarbeitende.
Gebaut werden soll bis 2028. Die Nutzung soll 2029 beginnen. Es soll ein Kompetenzzentrum für romantische Orchester- und Opernpraxis entstehen und ein Forschungszentrum der Richard-Wagner-Akademie.
Vorgesehen sind Eigen-, Fremd- und Kooperationsveranstaltungen. Die Betriebskosten für das Gebäude von 400.000 Euro jährlich sollen von den Dresdner Musikfestspielen, einer Einrichtung der Landeshauptstadt Dresden, getragen werden.
