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Volkshochschulen brauchen dringend Deutschlehrer

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An den sächsi­schen Volks­hoch­schulen und Sprach­schulen werden dringend Deutsch­lehrer gesucht. In den kommenden sechs Monaten würden wegen der wachsenden Zahl von Flücht­lingen mehrere Hundert Lehrer fehlen, prognos­ti­ziert der Fachver­band Deutsch als Fremd- und Zweit­sprache (FaDaF). Die Nachfrage nach Deutsch­kursen steige derzeit enorm an. „Durch den hohen Zustrom haben wir eine ganz neue Heraus­for­de­rung für Europa, Deutsch­land und Sachsen“, sagte Ulrich Klemm, Geschäfts­führer des Sächsi­schen Volks­hoch­schul­ver­bandes (VHSV). Es müssten andere Struk­turen geschaffen, eine Finan­zie­rung gefunden und Personal ausge­bildet werden.  Bislang waren die Berufs­aus­sichten für quali­fi­zierte Lehrer für Deutsch als Zweit­sprache (DaZ) und Deutsch als Fremd­sprache (DaF) eher schlecht. „Vor allem, wenn sie als freibe­ruf­liche Lehrkräfte in den sogenannten Integra­ti­ons­kursen des Bundes­amts für Migra­tion und Flücht­linge arbeiten wollten, das mit einer Honorar­vor­gabe von 20 Euro hier ein Preka­riat geschaffen hat“, sagte der FaDaF-Vorsit­zender Matthias Jung. Deutsch­land­weit dürfte angesichts von rund einer Million Flücht­linge ein Bedarf von 20 000 bis 30 000 Lehrkräften für DaF/DaZ für Schule und Erwach­se­nen­bil­dung inner­halb der kommenden sechs Monate entstehen, sagte Jung. In Sachsen werden in diesem Jahr bis zu 40 000 Flücht­linge erwartet, 2014 waren es noch 11 786. Auch der Geschäfts­führer des Volks­hoch­schul­ver­bandes vermutet eine Lücke von mehreren Hundert quali­fi­zierten DaF-Lehrern - allein für die Volks­hoch­schulen. Eine genauere Zahl kann er noch nicht nennen, da dies sowohl von der konkreten Zahl der Flücht­linge als auch der Finan­zie­rung durch Bund und Freistaat abhänge, sagte Klemm. Fest stehe: Das bishe­rige Programm durch das Bundesamt für Migra­tion und Flücht­linge (BaMF) sei für dieses Ausmaß nicht gedacht gewesen. „Wir werden Probleme haben, alle Stellen zu besetzen“, sagte Frank Haubitz, Landes­vor­sit­zender des sächsi­schen Philo­lo­gen­ver­bandes. Jeder, der geeignet sei, werde angestellt. „Uns laufen bereits die Lehrkräfte von den Volks­hoch­schulen zu den Berufs­schulen weg“, erklärte Eva-Maria Falk, VHSV-Fachre­fe­rentin für Sprachen. Dort werde diesen Lehrern gerade eine Festan­stel­lung geboten. Der Lehrer­mangel erfor­dere kreative Lösungen. Die Sächsi­sche Bildungs­agentur habe bereits bei der Landes­di­rek­tion Sachsen für Fortbil­dungen geworben, sagte Haubitz. Auch der VHSV habe ein entspre­chendes Angebot entwi­ckelt. „Wo Fremd­spra­chen­kennt­nisse vorhanden sind, wollen wir diese nutzen“, sagte Geschäfts­führer Klemm. So sollen nun etwa Dozenten für Franzö­sisch oder Spanisch zu Deutsch­leh­rern fortge­bildet werden. Das entspre­chende Konzept liege beim VHS-Verband in der Schub­lade, es fehle noch an der Finan­zie­rung. Die Univer­si­täten erhöhen gerade die Kapazi­täten der Studi­en­plätze für Deutsch als Zweit­sprache. „Bislang gab es Sprach­lehrer mehr als genug“, sagte Roman Schulz, Sprecher der Bildungs­agentur Leipzig. Da sich dies ändern werde, arbeite Kultus­mi­nis­te­rium gerade daran, dass die Univer­si­täten im Freistaat verstärkt auf die Ausbil­dung für DaZ umschwenkten. Dieser Studi­en­gang solle dann auch berufs­be­glei­tend angeboten werden. Das Minis­te­rium erklärte, dass momentan noch ausrei­chend Lehrer für DaZ vorhanden seien. „Wir können jedoch nicht sagen, wie lange dieser Zustand anhält. Das hängt davon ab, wie sich die Flücht­lings­si­tua­tion weiter­ent­wi­ckelt.“ (dpa)