Viele Kinder in Sachsen haben Rückenschmerzen

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Jedes dritte Kind in Sachsen ist körperlich chronisch krank. Das ist das Ergebnis des neuen Kinder- und Jugendreportes der DAK-Gesundheit.

Demnach leiden sieben Prozent der Kinder an Rückenschmerzen. Außerdem sind einige Schulkinder krankhaft übergewichtig (drei Prozent). Unter dem bundesweiten Durchschnitt lag dagegen die Zahl der Depressionen bei Jugendlichen in Sachsen.

Die Ergebnisse der Studie im Detail:

In Sachsen ist fast jedes dritte Kind körperlich chronisch krank. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Der Kinder- und Jugendreport wertet 14 verschiedene Erkrankungen aus, die potenziell einen chronischen Verlauf nehmen können. Am häufigsten sind Neurodermitis und Asthma, gefolgt von Heuschnupfen und Entzündungen des Magen-Darm-Traktes. „Das sind Erkrankungen, die eine bedeutende Beeinträchtigung des Alltags für Kinder und Eltern mit sich bringen können“, betont Christine Enenkel. Chronische Leiden sind in Sachsen häufiger als im Bundesdurchschnitt. Das liegt vor allem an Neurodermitis (plus 48 Prozent) und Heuschnupfen (plus 34 Prozent). Depressionen (minus 13 Prozent) werden im Freistaat dagegen seltener festgestellt als im bundesweiten Schnitt.

Atemwegserkrankungen stehen insgesamt auf Platz 1 der häufigsten Erkrankungsarten im Kindesalter. Mehr als die Hälfte (61,8 Prozent) aller Jungen und Mädchen in Sachsen leidet mindestens einmal pro Jahr unter einem grippalen Infekt oder einer akuten Bronchitis. In der Häufigkeit dahinter folgen Infektionskrankheiten, Hauterkrankungen, Augenerkrankungen und psychische Leiden. Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenschmerzen oder Knieprobleme treten ebenfalls bereits bei jungen Menschen auf. Ab dem zwölften Lebensjahr hat mehr als jeder vierte Jugendliche mindestens einmal im Jahr eine entsprechende Diagnose. „Das ist alarmierend“, betont Enenkel, „denn frühe Muskel-Skelett-Probleme können im Erwachsenenalter schwere Rückenleiden nach sich ziehen."

Ein weiteres Leiden, das mit Bewegungsarmut zusammenhängt, ist krankhaftes Übergewicht. Über alle Altersgruppen hinweg sind knapp vier Prozent betroffen, im Alter von zehn bis 14 Jahren 5,2 Prozent. „In diesem Alter werden für solch verhaltensbezogene Krankheitsbilder die Weichen gestellt“, kommentiert Enenkel die Ergebnisse.

Kinder in Sachsen sind vergleichsweise kränker als im Bundesdurchschnitt. Zwar dominieren dieselben Erkrankungen wie auf Bundesebene, aber der Anteil der betroffenen Kinder ist in vielen Erkrankungsbereichen höher. „Mit dem Kinder- und Jugendreport liegen nun belastbare Analysen zur regionalen Häufigkeit bestimmter Erkrankungen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt vor“, erklärt Julian Witte von der Universität Bielefeld als Studienautor. „Die Untersuchung im Auftrag der DAK-Gesundheit ist die erste kontinuierliche und erkrankungsübergreifende Analyse von solchen regionalen Abrechnungsdaten einer gesetzlichen Krankenkasse.“

Der Kinder- und Jugendreport für Sachsen zeigt außerdem, dass Stadtkinder anders krank sind als Gleichaltrige vom Land: Stadtkinder leiden häufiger unter Viruserkrankungen (plus 43 Prozent), Zahnkaries (plus 38 Prozent) oder Depressionen (plus 22 Prozent). Landkinder hingegen haben häufiger Heuschnupfen (plus 20 Prozent). „Unser Report belegt, dass der Unterschied zwischen Stadt- und Landkindern in Sachen Gesundheit größer ist als gedacht“, betont Christine Enenkel. Das schlägt sich jedoch nicht auf die Ausgaben der Krankenkassen nieder: Diese sind insgesamt vergleichbar hoch. Es gebe jedoch Unterschiede in den einzelnen Versorgungsbereichen. „Am höchsten ist die Differenz im Arzneimittelbereich: Wir haben hier 2016 durchschnittlich für jedes Stadtkind 187 Euro ausgegeben, für jedes Landkind 207 Euro, also elf Prozent mehr.“ Dies sei insbesondere auf mehr Verschreibungen von Antibiotika unter Landkindern zurückzuführen. Bei den Stadtkindern lagen die Pro-Kopf-Ausgaben für ambulante Arztbesuche hingegen zehn Prozent höher.

Insgesamt gab die DAK-Gesundheit in Sachsen 2016 rund 15,2 Millionen Euro für die Behandlung von Kindern aus. Davon ging mehr als die Hälfte an Kliniken (37 Prozent) und niedergelassene Ärzte (25 Prozent). Arzneimittel machten knapp ein Fünftel aller Kosten aus, Heil- und Hilfsmittel zusammen 17 Prozent. Reha-Leistungen hatten mit zwei Prozent den geringsten Anteil. Je Kind entspricht dies durchschnittlichen Ausgaben von 1.024 Euro pro Jahr. Allerdings verteilten sich die Ausgaben sehr unterschiedlich, die Hälfte der Gesamtausgaben entfiel auf lediglich drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen.