Verwaltungsgericht kippt Demonstrationsverbot in Heidenau
Die Allgemeinverfügung zum Demonstrationsverbot in Heidenau ist nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Dresden „offensichtlich rechtswidrig“. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Eilentscheidung des Gerichts hervor. Der Polizeiliche Notstand, mit dem das Versammlungsverbot vom Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für das gesamte Wochenende begründet worden war, sei nicht hinreichend vorgetragen und belegt worden, hieß es. Damit wurde einem Eilantrag eines Bürgers, der an einer von dem Bündnis Dresden Nazifrei angemeldeten Kundgebung teilnehmen wollte, stattgegeben. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht erhoben werden Das Landratsamt Sächsische Schweiz/Osterzgebirge hat alle Demonstrationen in Heidenau an diesem Wochenende verboten. Die Polizei hat nicht genügend Kräfte, um die Demonstrationen abzusichern, hieß es. "Dresden Nazifrei" prüft nun rechtliche Schritte. Zudem sei man in Gesprächen, ob entweder direkt auf dem Baumarktgelände in kleinerem Rahmen mit 100 bis 150 Menschen gefeiert werden könne. Das müsse allerdings die Landesdirektion genehmigen. Ein Sprecher der Behörde konnte dazu noch keine Auskünfte geben. Zudem habe man vorgeschlagen, die Verbotsverfügung zeitlich zu verschieben, das zumindest bis 18.00 Uhr das Fest gefeiert werden könne. Es gehe um ein buntes friedliches Familienfest für Kinder, mit Musik, Spielen und Gesprächen mit Geflüchteten, teilte Sprecher Hennig Obens mit.Die "Bürgerinitiative Heidenau" sagte per Facebook ihre ab 18.00 Uhr geplante Demonstration ab. Man wolle stattdessen Kerzen auf dem Platz des Friedens abstellen, hieß es.Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir will das Versammlungsverbot ignorieren und in Heidenau auf die Straße gehen. "Ich kann nicht akzeptieren, dass es rechtsfreie Räume in der Bundesrepublik Deutschland geben kann: da, wo der Freistaat Sachsen zurückweicht vor dem Druck der Rechtsradikalen", sagte er im ARD-Morgenmagazin. "Es ist doch nicht akzeptabel, dass die sächsische Staatsregierung sagt: "Wir haben nicht genug Polizisten"", sagte Özdemir. Andere Bundesländer würden sicher helfen. Es gehe nicht, dass man vier Tage lang die Demokratie außer Kraft setze. "Ich fahre dahin", sagte der Bundestagsabgeordnete. Er forderte andere auf mitzukommen. "Wir werden zeigen: Dieser Rechtsstaat ist nicht wehrlos."Begründung des VersammlungsverbotesDie Verantwortliche für den Bereich Ordnung, die Beigeordnete Kati Hille vom Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge veröffentliche am Abend folgende Stellungnahme:Das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als zuständige Versammlungsbehörde hat für den 28. August 2015, 14:00 Uhr bis zum 31. August 2015, 06:00 Uhr, alle öffentlichen Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel im gesamten Stadtgebiet von Heidenau untersagt.Anlass ist das Vorliegen eines polizeilichen Notstandes. Danach sind die zur Verfügung stehenden Polizeikräfte nicht in der Lage, der prognostizierten Lageentwicklung gerecht zu werden. Demzufolge ist es nicht ausgeschlossen, dass es bei einem Aufeinandertreffen der verschiedenen Lager zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und damit zur Schädigung schutzwürdiger Rechtsgüter, insbesondere Leben und Gesundheit von Teilnehmern öffentlicher Versammlungen, Unbeteiligten aber auch der zum Schutz von Versammlungen eingesetzten Polizei- und Ordnungskräften kommen würde.Angesichts der zurückliegenden Konfrontationen von Asylgegnern und –befürwortern vor Erstaufnahmeeinrichtungen wie auch des gegenwärtigen Demonstrationsgeschehens vor der Erstaufnahmeeinrichtung am vergangenen Wochenende in Heidenau sah das Landratsamt keine andere Möglichkeit als die Verfügung eines Versammlungsverbots für das Stadtgebiet Heidenau, um insbesondere die Sicherheit der Heidenauer Anwohner und der Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung zu gewährleisten.Demonstration am Samstag in Dresden geplantEine geplante Demonstration des Bündnisses am Samstag in Dresden sei dagegen möglich, hieß es von "Dresden Nazifrei". Das Bündnis will sich am Samstag ab 14.00 Uhr am Dresdner Hauptbahnhof versammeln. Von dort sollen bis zu 1000 Demonstranten zur Polizeidirektion auf der Schießgasse, vor die Staatskanzlei und dann weiter zum Bahnhof Neustadt ziehen.Wie ein Sprecher der Stadt Dresden auf unsere Anfrage mitteilte, werde man erst am Freitag nähere Informationen von der Versammlungsbehörde zur angemeldenten Demonstration in Dresden geben können.(Artikel wird fortlaufend aktualisiert.)Nachtrag Donnerstag 16:50 Uhr: Zunächst war von Dresden Nazifrei von einem bereits ausgerufen polizeilichen Notstand die Rede. Nach den neuesten Informationen der Polizei sei dagegen noch nichts entschieden. Der Artikel wurde entsprechend korrigiert und aktualisiert. Dresden Nazifrei blieb bei der Darstellung, dass das Kooperationsgespräch damit beendet worden sei, dass die Verbotsverfügung fest stehe. Ansonsten sei man belogen worden, teilte Sprecher Silvio Lang per Twitter mit. Der Artikel wurde am Freitag weiter ergänzt.