Verteidigung fordert Freispruch im Infinus-Prozess
Die Verteidigung des Hauptangeklagten im Prozess zum Infinus-Skandal am Dresdner Landgericht hat auf Freispruch plädiert. Es gebe keine Belege dafür, dass die Angeklagten ein betrügerisches Geschäftsmodell betrieben und Anleger getäuscht hätten. „Es gab keine schwarzen Kassen, keine gefälschten Gutachten, ordentliche Bilanzen und Buchhaltung“, sagte der Rechtsanwalt des Ex-Infinus-Chefs, Ulf Israel, am Donnerstag. Sein Mandant habe nie Gelder missbraucht und immer im Interesse der Anleger agiert, die Geschäfte seien geprüft, Berichte und Bilanzen bestätigt worden.In einem der größten Wirtschaftsstrafprozesse Deutschlands geht es seit November 2015 um etwa 22 000 um insgesamt rund 312 Millionen Euro geprellte Anleger. Der Gründer des Mutterkonzerns Future Business (Fubus), der Infinus-Gruppe, und vier frühere Führungskräfte sind wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs im besonders schweren Fall und Kapitalanlagebetrugs angeklagt, ein weiterer Mann wegen Beihilfe. Sie sollen ein „Schneeballsystem“ betrieben und Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen haben. Ihnen wird vorgeworfen, mit Orderschuldverschreibungen und Nachrangdarlehen mit zu hohen Renditeversprechen gehandelt zu haben, die dann nur mit dem Geld von zusätzlich eingeworbenen Anlegern bedient werden konnten. Die Staatsanwaltschaft hatte Freiheitsstrafen zwischen vier Jahren und zehn Monaten und acht Jahren für die Angeklagten gefordert. Sie sieht es als erwiesen an, dass sie „spätestens ab 2011 wissentlich und willentlich ein betrügerisches, auf systematische Täuschung der Anleger aufbauendes Geschäftsmodell“ betrieben. Aus Sicht von Verteidiger Israel basieren die Vorwürfe auf „Fake News“, dafür gebe es keine Beweise. Vielmehr seien die Versicherungen geprüft, Verluste ausgewiesen, in den Prospekten nicht gelogen und Geschäfte nicht verschleiert worden, erklärte Isreal. Sein Mandant habe davon ausgehen können, dass das Unternehmen nicht im Bestand gefährdet war und die Vermögenswerte ausreichten, um es zu sichern. „Er hat immer einen Plan gehabt.“ Im November 2013 sei ein ordnungsgemäß geführtes Unternehmen zerschlagen worden. „Sie haben ein Flugzeug zum Absturz gebracht, was jahrelang gut geflogen ist.“ Er und ein Kollege kritisierten auch die Kammer und den Vorsitzenden scharf. Sie hätten Beweisanträge abgelehnt und Entlastungszeugen ferngehalten, seien vom ersten Tag an voreingenommen - „bis zum Erbrechen“. Die Plädoyers werden am Freitag fortgesetzt. (dpa)