Über 32000 Unterschriften für bessere Kita-Bedingungen
Das sachsenweite Bündnis „Starke Kitas für starke Kinder“ hat heute über 32.600 Unterschriften ans Kultusministerium in Dresden übergeben. Es fordert damit deutlich bessere Rahmenbedingungen für die frühkindliche Bildung. An erster Stelle steht die Forderung, Fachkräfte zu halten und Kita Standorte zu sichern – auch bei sinkenden Kinderzahlen. Durch die sinkenden Zahlen ist jetzt die Chance, den Fachkraft-Kind-Schlüssel zu verbessern, bei dem Sachsen Schlusslicht ist.
Nach der Unterschriftenübergabe folgte eine Diskussion mit dem Amtschef. Die stellvertretende Landesvorsitzende der GEW Sachsen, Astrid Axmann, betonte, „dass trotz sinkender Kinderzahlen die zukünftige Betreuungsqualität massiv bedroht ist, wenn es nicht gelingt durch eine gesicherte und ausreichende Finanzierung das jetzige Personal zu 100 Prozent im System zu halten. Die riesige Chance, den sächsischen Personalschlüssel dadurch realistischer auszugestalten, muss genutzt werden.“
Frank Schaffrath, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Sachsen und Vertreter der Liga der Freien Wohlfahrtspflege ergänzte: „Ein zentraler Punkt ist, dass die Landesmittel auf dem jetzigen Niveau gehalten werden, sodass qualitativ verbesserte Kindertagesbetreuung für Kommunen finanzierbar und für Eltern bezahlbar bleibt. Frühkindliche Bildung ist eine Investition in die Zukunft.“
Barbara Gärtner, Sprecherin des Graswurzelbündnisses „Die bessere Kita“ und Fachbereichsleitung Kindertagesstätten Kinderarche Sachsen sieht neben den hohen Belastungen für die Fachkräfte vor allem die Qualität frühkindlicher Bildung in Gefahr: „Familien und Kinder in ihren Entwicklungsvoraussetzungen, Lebenslagen, Sprache und Kulturen sind vielfältiger geworden. Sie brauchen individuelle Begleitung, Förderung und Unterstützung. Gleichzeitig fordert die Arbeitswelt der Eltern lange Öffnungszeiten. All das ist bei der unzureichenden Personaldecke und den hohen Ausfallzeiten nicht mehr zu stemmen.“
Die Geschäftsleiterin von Fröbel in Sachsen, Dr. Stephanie Garling, sieht dringenden Reformbedarf im sächsischen Kita-Gesetz und fordert eine Dynamisierung des Landesanteils. „Viele Bundesländer haben in ihrer Kita-Gesetzgebung eine Dynamisierung etabliert. Der Freistaat definiert hingegen starre Summen im Haushaltsgesetz. Das bedeutet einen enormen Aufwand für den Gesetzgeber, die Verwaltung und nicht zuletzt für die Träger selbst. Mit einer automatischen Dynamisierung bekäme das Kita-Gesetz einen echten Bildungsschub!“
„Wir leben in herausfordernden Zeiten und brauchen umso dringender eine starke Stimme für diejenigen, die unsere Zukunft sichern und gestalten werden. Kitas sind die ersten Bildungsorte für alle Kinder – unabhängig von Herkunft, Einschränkungen oder sozioökonomischem Status ihrer Familien. Als Kita-Träger stehen wir und vor allem unsere Mitarbeitenden in den Einrichtungen an der Grenze des Machbaren und fordern die Landesregierung auf, gute Startbedingungen und Chancengleichheit für alle Kinder zu ermöglichen. Ohne gute Kitas in Stadt und Land ist auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht möglich“, unterstreicht Juliane Kemper, Gesamtleitung Outlaw Kinder- und Jugendhilfe Standort Dresden.
Die Kampagne „Starke Kitas für starke Kinder“ wird bis zur sächsischen Landtagwahl im September mit verschiedenen Veranstaltungen weiterhin den Dialog mit der Politik suchen. Geplant sind unter anderem Besuche von Kandidierenden der demokratischen Parteien in Kindertageseinrichtungen. Abschluss der Kampagne wird eine Diskussionsveranstaltung Ende August in Dresden sein.