• Die Schlote des Braunkohlekraftwerks Turow sollen noch bis nach 2040 rauchen. Foto: kmk

  • Der Verfasser der Turow-Studie, Dr. Ralf Krupp. Foto: privat

    Der Verfasser der Turow-Studie, Dr. Ralf Krupp. Foto: privat

Turow-Tagebau-Studie warnt: Zittau sinkt ab!

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Zittau könnte bis 2044 um fast einen Meter einsinken. Das geht aus einer heute vorgestellten Studie zum benachbarten polnischen Tagebau Turow  hervor. Durch die Fortsetzung der Kohleförderung werde das Grundwasser weiter abgesenkt. Die Folge seien Setzungen des Bodens, sagte der Verfasser der Studie, Ralf Krupp heute in Zittau. Dieser Prozess werde langsam und schleichend erfolgen und an Gebäudeschäden erkennbar sein. Gefahren sieht der promovierte Geologe auch in der anschließenden Flutung des Tagebaus. Giftige Spurenelemente wie Kadmium, Nickel und Uran könnten gelöst werden und in die Neiße strömen.  Es gebe keine Untersuchungen zum Wiederanstieg des Grundwassers.  "Es gehen erhebliche Risiken von der Fortführung des Tagebaus für Zittau und die umliegenden Ortschaften aus."

Staub- und Lärmprobleme

Auch Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker sieht die Frage der Rekultivierung nicht geklärt.  „In den Unterlagen der polnischen Seite wird auf die Zukunft verwiesen. Man will das Problem mit neuer Technologie in 20 Jahren klären.“ Aber einen konkreten Plan vermisst der OB. Als weitere Probleme nannte Zenker die Feinstaub- und Lärmbelastung durch den fortgesetzten Abbau. Insbesondere beim Feinstaub sei  der Grenzwert im vergangenen Jahr an mehreren Tagen erheblich überschritten bzw. fast erreicht worden.

Zittauer OB droht mit Klage

Der OB kritisierte die mangelnde Transparenz der polnischen Behörden.  Das könne er nicht tolerieren. Er rief zugleich die deutschen Behörden auf, die Ergebnisse der Studie aufzunehmen und aktiv zu werden.  „Ansonsten werden wir uns den Tschechen anschließen und Klage einreichen“, sagte er unserem Sender. Zur Vorstellung der Studie heute in Zittau fehlte das Sächsische Oberbergamt.

Tschechien sieht Trinkwasserprobleme

Polen will den Tagebau  weiter nach Süden vorantreiben und die Braunkohle bis 70 Meter vor der tschechischen Grenze abbaggern. „Der Grundwasserstand auf tschechischer Seite ist schon heute um 64 Meter gesunken. Brunnen laufen leer. Sollten die Tagebaupläne umgesetzt werden, hätten rund 10.000 Menschen kein Trinkwasser mehr. Tschechien plant zwar eine Wasserleitung. Das wird sechs bis sieben Jahre dauern. Der Tagebau rückt aber schneller in Richtung Grenze“, sagte uns Petra Urbanova von der Umweltrechtskanzlei Frank Bold.  Der polnischen Seite warf sie ein Ping-Pong-Spiel vor. Tschechien werde nicht ausreichend informiert. Das Nachbarland hat deshalb Beschwerde bei der EU eingelegt. 

"Uns läuft die Zeit davon"

Die Europäische Union müsse sich schützend vor ihre Bürger stellen und endlich handeln, forderte die Grünen-Europaabgeordnete Anna Cavazzini. Sie verlangte die Einleitung  eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Polen. Die EU müsse sich schützend vor die Bürger stellen. "Uns läuft die Zeit davon."

Greenpeace kündigte eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof an. „Die Erweiterung ist ein Brandbeschleuniger der Klimakrise“, so der Energieexperte der Umweltorganisation,  Carsten Smid.  

Link

Gutachten „Zu den grenzüberschreitenden Auswirkungen einer Fortführung des Abbaus der Braunkohlelagerstätte Turów“ des Geologen Dr. Ralf Krupp .

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth im Interview mit dem Verfasser der Studie, Dr. Ralf Krupp

Oberbürgermeister Thomas Zenker

Petra Urbanova von der Umweltrechtskanzlei Frank Bold

Grünen-Europaabgeordnete Anna Cavazzini