• Am Freitag wurde das Trojanische Pferd am Kulturpalast aufgestellt. (Foto: privat)

Trojanisches Pferd vor dem Kulturpalast aufgebaut

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Vor dem Dresdner Kulturpalast hat die Initiative "Kunst ist frei" am Freitagnachmittag ein etwa fünf Meter hohes Trojanisches Pferd aufgebaut. Das eine halbe Tonne schwere Pferd soll dort bis Montag stehen als, Zitat: "temporäres und künstlerisches Sinnbild für die Situation in unserem Land". Das Werk soll um 18:00 Uhr eingeweiht werden. "Auf das Mitbringen von Fahnen und Bannern" solle verzichtet werden, hieß es in der Ankündigung auf Facebook, da es sich um eine "überparteiliche Initiative" handle.

Beim Dresdner Ordnungsamt sei eine Versammlung mit 200 Teilnehmern angemeldet worden, teilte ein Stadtsprecher auf Anfrage mit. Das Straßen- und Tiefbauamt habe die straßenrechtliche Sondernutzungsgenehmigung für das Trojanische Pferd erteilt, sagte eine Stadtsprecherin auf unsere Anfrage.

Bis Montag vor dem Kulturpalast

Die Initiatoren schreiben auf ihrer Facebook-Seite: "Seit Anfang 2018 trifft sich eine Gruppe DRESDNER BÜRGER geeint in dem Gedanken, ein temporäres und künstlerisches Sinnbild für die Situation in unserem Land zu schaffen. Der Mythos vom Trojanischen Pferd schien uns ein passendes Mahnen für das, was uns bewegt und Sorgen macht. Und WIR haben es gebaut - 500 Kilo schwer und 5 Meter hoch! Vom 13. bis 16. April wird dieses Kunstwerk vor dem Kulturpalast in Dresden stehen."

Verein Atticus mit eigener Interpretation

Der Dresdner Verein Atticus hat für das Pferd nun seine eigene Interpretation veröffentlicht. Der Verein "kann die Interpretation der besorgten Kunstschaffenden nicht nachvollziehen. Denn der Vorwurf, die Trojaner wurden gar nicht gefragt, ob das Holzpferd in die Stadt transportiert werden darf, ist historisch-literarisch falsch. Die Bürger wurden befragt, hörten nicht auf die Warnung des Priesters, vertrauten auf ein Gottesurteil und zogen schließlich das Pferd in die Stadt."

Und weiter heißt es vom Vereinsvorsitzenden Eric Hattke: "Das trojanische Holzpferd symbolisiert für uns den schleichenden Angriff auf die Grundwerte unserer Demokratie unter der Bemäntelung von Heimat- und Freiheitsliebe. Wie schon die Griechen geduldig in ihrem Holzpferd ausharrten und ihre Messer wetzten, betreiben rechts-nationale Gruppierungen die Aufweichung unserer gesellschaftlich-moralischen Grenzen“, so der Vorsitzende des Vereins, Eric Hattke. Das trojanische Pferd ist ein Mahnmal für alle, genau hinzuschauen, sich nicht von falschen Versprechungen und einfachen Antworten einwickeln zu lassen, um hinter der Fassade die Bedrohung für unsere Demokratie zu erkennen. „Sicher ist die Kunst frei, die Deutung über sie aber ebenso“, so Hattke abschließend.

Im Vorfeld Verwerfungen

Die Kunstaktion hatte bereits im Vorfeld zu Verwerfungen im Verein "Pro Mitsprache" gesorgt. Die Finanzierung des Projektes sollte über die Konten des Vereins organisiert werden. Einer der Initiatoren ist auch Mitglied bei "Pro Mitsprache". Allerdings gab es dazu keinen Beschluss von Vorstand oder Vereinsmitgliedern, deswegen sei er zurückgetreten, teilte der Vizechef mit.