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Terrorver­dächtiger von Chemnitz hatte Kontakte zum IS

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Der nach dem Bomben­fund von Chemnitz festge­nom­mene Terror­ver­däch­tige Dschaber al-Bakr hatte nach bishe­rigen Erkennt­nissen der Ermittler Kontakte zur Terror­or­ga­ni­sa­tion Islami­scher Staat (IS). Die Vorge­hens­weise und das Verhalten des Verdäch­tigen sprächen derzeit für einen „IS-Kontext“, sagte der Leiter des Landes­kri­mi­nal­amts Sachsen, Jörg Michaelis, am Montag­mittag.  Zwei Tage nach dem brisanten Spreng­stoff­fund in Chemnitz hatte die Polizei den bundes­weit gesuchten Terror­ver­däch­tigen Dschaber al-Bakr in Leipzig festge­nommen. Die Festnahme des 22-jährigen mutma­ß­li­chen Islamisten aus Syrien gelang in der Nacht zum Montag. "Wir sind geschafft, aber überglück­lich", schrieb die Polizei Sachsen am frühen Morgen auf Twitter.Der als Flücht­ling regis­trierte Mann hat nach bishe­rigen Ermitt­lungen einen Bomben­an­schlag vorbe­reitet. Bei einer Anti-Terror-Razzia hatte die Polizei laut General­bun­des­an­walt­schaft 1,5 Kilogramm hochex­plo­siven Spreng­stoff sicher­ge­stellt, auch ein mögli­cher Komplize wurde festge­nommen.Der in Leipzig festge­nom­mene Terror­ver­däch­tige Dschaber al-Bakr soll am Montag­mittag in Dresden einem Richter vorge­führt werden. Hinter­grund sei ein beste­hender Haftbe­fehl des Amtsge­richts in der Stadt, sagte ein Sprecher der Bundes­an­walt­schaft am Montag in Karls­ruhe.Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer nach Infor­ma­tionen des "Spiegel" um 0:42 Uhr in der Wohnung eines Lands­manns. Den habe al-Bakr am Leipziger Haupt­bahnhof angespro­chen und gefragt, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer lud ihn demnach zu sich nach Hause ein und infor­mierte am Abend die Polizei, nachdem er von der Fahndung gehört hatte. Die Polizisten fanden al-Bakr gefes­selt in der Wohnung. Nach Angaben des sächsi­schen LKA-Chefs war ein Syrer nachts auf dem Polizei­re­vier Südost erschienen und hatte ein Foto des Gesuchten gezeigt und mitge­teilt, dass er in der Leipziger Wohnung geholt werden können. Die beiden anderen syrischen Flücht­linge hatten den Terror­ver­däch­tigen überwäl­tigt, gefes­selt und den Polizisten übergeben.Die Polizei teilte dazu per Facebook mit: "In den frühen Morgen­stunden des heutigen Tages bekam die Polizei den Hinweis, dass Lands­leute des Tatver­däch­tigen ALBAKR diesen in einer Wohnung in Leipzig festhalten. Die Einsatz­kräfte der Leipziger Polizei begaben sich darauf unver­züg­lich zum angege­benen Ort und nahmen den ALBAKR fest. Wir machen ganz bewusst keine weiteren Angaben zu den näheren Umständen der Festnahme, da wir keine Gefähr­dung für die Hinweis­geber provo­zieren wollen."Die stell­ver­tre­tende Regie­rungs­spre­cherin Ulrike Demmer sagte am Montag, Bundes­kanz­lerin Merkel danke den Sicher­heits­be­hörden für ihre Arbeit. Dank und Anerken­nung gelte aber auch dem Mann aus Syrien, der die Polizei über den Aufent­haltsort des Verdäch­tigen infor­miert und damit zur Festnahme beige­tragen habe.Auch Minis­ter­prä­si­dent Tillich dankte den Einsatz­kräften und dem Syrer: "Ich danke der sächsi­schen Polizei für ihre engagierte und am Ende erfolg­reiche Arbeit. Das war ein guter Einsatz unserer Sicher­heits­kräfte. Ich danke ausdrück­lich dem mutigen und verant­wor­tungs­be­wussten syrischen Mitbürger, der durch den entschei­denden Hinweis und sein Handeln den schnellen Erfolg möglich gemacht hat."Bundes­weit hatte die Polizei mit Hochdruck nach dem Verdäch­tigen gesucht, der Kontakte zur Terror­miliz Islami­scher Staat (IS) haben soll. Die Sicher­heits­vor­keh­rungen an Bahnhöfen und Flughäfen wurden verschärft.Die Bundes­an­walt­schaft führt die Ermitt­lungen wegen des Verdachts der Vorbe­rei­tung einer schweren staats­ge­fähr­denden Straftat.Über mögliche Anschlags­ziele wurde nichts bekannt. "Focus"-Infor­ma­tionen, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte, wurden von den Behörden nicht bestä­tigt.Am Samstag war der Mann noch dem Zugriff in Chemnitz entkommen. Die Beamten gaben in dem Platten­bau­viertel einen Warnschuss ab und sahen ihn auch, konnten ihn aber nicht fassen. Das Landes­kri­mi­nalamt wies Vorwürfe zurück, es sei eine Panne passiert.In dem noch nicht geräumten Haus habe man zu Recht Spreng­stoff vermutet, sagte ein LKA-Sprecher. "In so einer Situa­tion können wir nicht ins Risiko gehen." Aller­dings soll der Verfas­sungs­schutz den Terror­ver­däch­tigen nach Medien­be­richten bereits seit zwei Wochen beobachtet haben. Die Infor­ma­tion der Polizei erfolgte offenbar erst kurz vor dem Zugriff, der zunächst nicht gelang.Wie LKA Chef Michaelis am Mittag auf einer Presse­kon­fe­renz sagte, sei das SEK gerade mit den Vorbe­rei­tungen eines Zugriffs beschäf­tigt gewesen und in voller Montur. Trotz eines Warnschusses gelang es nicht, den Verdäch­tigen, der kurz nach 07:00 Uhr die Wohnung verlassen hatte, zu fassen. Ob es sich um den 22-jährigen Syrer handelte, sei noch Gegen­stand der Ermitt­lungen. Das könne man derzeit noch nicht sagen.Anwohner in dem Häuser­block in Chemnitz, in dem der Spreng­stoff gefunden wurde, konnten zunächst nicht zurück in ihre Wohnungen. Die Polizei teilte per Twitter mit: "Die Tatort­ar­beit in Chemnitz, Straße Usti nad Labem 97, dauert weiterhin an. Ein Ende ist nicht in Sicht. Bewohner können noch nicht zurück." Die Wohnungs­ge­nos­sen­schaft will nach Freigabe des Tatortes zunächst noch Türen reparieren. Auch die Stadt­ver­wal­tung sicherte ihre Unter­stüt­zung zu. Laut LKA können die Anwohner wohl erst am Dienstag wieder in ihre Wohnungen.Der Mieter der Wohnung sitzt in Unter­su­chungs­haft. Gegen den Lands­mann des 22-jährigen Dschaber al-Bakr wurde nach Angaben der Staats­an­walt­schaft vom Montag in Dresden Haftbe­fehl wegen Beihilfe zur Vorbe­rei­tung einer schweren staats­ge­fähr­denden Gewalttat (Paragraf 89a StGB) erlassen. Der Syrer ist der Mieter der Wohnung in einem Chemnitzer Platten­bau­viertel, in der sich der Haupt­ver­däch­tige al-Bakr aufge­halten und wo die Polizei am Samstag gefähr­li­chen Spreng­stoff gefunden hatte. (AS, LS, MG / mit dpa)Wir halten Sie bei uns im Programm aktuell auf dem laufenden. Zudem wird dieser Artikel fortlau­fend aktua­li­siert.