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Einsatzbilanz: 5000 Gegendemonstranten, 1300 Neonazis, 2200 Beamte

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Kurz nach 18 Uhr traten rund 1300 Neo-Nazis die Heimreise an, die für einen sogenannten Gedenkmarsch am Sonnabend nach Dresden gekommen waren. Dem standen, nach Veranstalterangaben von „Dresden Wi(e)dersetzen“, 5000 Gegendemonstranten entgegen. 

Stundenlang ging im Bereich von Bahnhof Mitte, Ostra-Allee, Terrassenufer und Postplatz nichts mehr. 2200 Polizeibeamte aus dem gesamten Bundesgebiet sicherten mit Metallgittern, aneinandergereihten Polizeifahrzeugen und eben Beamten die Route der Rechtsradikalen - eine Maßnahme, die ihnen per Versammlungsrecht zusteht. 

Drei Gegenaufzüge liefen vom Fritz-Förster-Platz, dem Schlesischen Platz sowie der Alaunstraße zum Postplatz. Dort versuchten Gegendemonstranten mehrfach eine Polizeisperre auf der Ostra-Alle zu durchbrechen. Dabei wurden auch Polizeibeamte attackiert und verletzt. Die Polizei musste Pfefferspray gegen Demonstranten einsetzen und brachte einen Wasserwerfer als Blockade in Stellung. 

An den Kundgebungen der Gegen-Demonstranten nahmen u. a. auch Landtags-Vizepräsident Albrecht Pallas (SPD) und der Dresdner Europa-Abgeordnete Matthias Ecke (SPD) teil, der im Mai 2024 von drei Achtzehnjährigen beim Plakate-Aufhängen angegriffen und zusammen geschlagen wurde. Das Trio wurden dem rechten Milieu zugerechnet. 

24 Ermittlungsverfahren 

Am Ende des Versammlungstages zählte die Polizei 24 Ermittlungsverfahren, teilweise wegen Landfriedensbruchs (Blockade durchbrochen) oder auch Verstöße gegen das Versammlungsrecht. So wurde bei den Vorkontrollen unter den rechten Teilnehmern u. a. Protektorenhandschuhe oder Pfefferspray festgestellt. Die entsprechenden Anzeigen wurden gefertigt. Polizeisprecher Geithner: „Es war, wie erwartet, ein schwieriger Einsatz. Aber in Anbetracht des gesamten Geschehens können wir mit der Zahl der Verfahren zufrieden sein.“

Stilles Gedenken ohne OB

Am Freitag hatten wieder Punkt 18 Uhr alle Glocken der Stadt geläutet und den Auftakt zum Schließen der Menschenkette um die Altstadt gegeben. Rund 5000 Dresdnerinnen und Dresdner waren gekommen, vor allem auch viele jüngere. Letztes Jahr waren es jedoch noch doppelt so viele. Von den Basketballern der Titans über Handballer bis zu einer Konfirmandengruppe gedachten auch sie der Toten vom 13. Februar 1945.

In der Menschenkette standen neben Sachsens Innenminister Armin Schuster, der Rektorin der TU Dresden, Ursula Staudinger, Frauenkirchen-Pfarrerin Angelika Behnke, Polizei-Präsident Lutz Rodig, Vertretern der Stadt, Wirtschaft, Kultur auch die Oberbürgermeisterin von Coventry, Dresdens Partnerstadt. Rachel Lancaster ist erst ein Jahr im Amt, kam extra aus England für 48 Stunden eingeflogen. Coventry wurde selbst am 14. November 1940 von den Nazis bombardiert.

Partnerstadt Coventry trauerte mit

Sie sagt: „Ich finde die Idee einer Menschenkette wunderbar. So etwas gibt es bei unserem Gedenken nicht. Wir kommen auch zusammen, aber sind dann wir in Musik, Gedichten oder Theater vereint. So feiern wir den Frieden und die Versöhnung. Wir sprechen über unsere Hoffnungen für die Zukunft. Denn wir müssen aus dem, was damals passiert ist, lernen. Deshalb liebe ich die Idee, sich an den Händen zu fassen. Einfach diese Verbindung zu schaffen, die Menschen zu verbinden. Darum geht es doch letzten Endes bei Partnerstädten.“

Einer fehlte: OB Dirk Hilbert. Er ist bereits seit Anfang der Woche erkrankt. Sein Stellvertreter, Jan Donhauser, erklärte: „Es ist auch für die jungen Menschen wichtig und nicht nur die alten Menschen kommen, die es damals sogar noch leidvoll erlebt haben. Ein Erinnern, nicht nur um des Erinnerns Willen, soll die Botschaft tragen, dass so etwas nie wieder von deutschem Boden ausgehen darf. Und da liegen wir genau richtig, wenn wir mit - zugegebener Maßen viel Aufwand - diesen Tag zu einem besonderen Tag in ganz Deutschland machen.“ 

Audio:

OB-Stellvertreter Donhauser zum 13. Februar
Rachel Lancaster (OB Coventry) zur Idee der Menschenkette
Das war die Motivation der Dresdner
Die Bilanz der Polizei