Stolpersteine am Stadtforum verlegt
Am neuen Stadtforum wurden am Dienstag Nachmittag (7. Mai) zwei neue Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an das jüdische Geschwisterpaar Gerda und Richard Werner Löwenstein, die einst in der Bankstraße 13 wohnten. Die Stolpersteine wurden in der Nähe der Stelle verlegt, an der die Bankstraße bis 1945 verlief. Richard Werner Löwenstein floh 1936 vor den Nazis nach Südafrika, seine Schwester Gerda wählte kurz nach der Machtübergabe an Adolf Hitler 1933 den Freitod.
Richard Werner Löwenstein kam an seinem 25. Geburtstag in Kapstadt an. In seiner neuen Heimat anglisierte er seinen Nachnamen in „Loewenstein“. In den kommenden Jahren baute Richard Werner Loewenstein in Südafrika eine neue Existenz auf und gründete nach verschiedenen Versuchen, sich selbständig zu machen, schließlich ein Schuhgeschäft. Sein Plan, seine Eltern nachzuholen, misslang. Julia und Berthold Altmann wurden 1943 in Auschwitz ermordet. Richard Werner Loewenstein heiratete in Port Elizabeth (Südafrika) und bekam zwei Töchter. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 4. Juli 2007.
Nachfahren der Familie Löwenstein wohnten der Verlegung bei, darunter Dr. James Miller, Enkel von Richard Werner Loewenstein und US-Generalkonsul in München. „Ich möchte allen, die uns geholfen haben, die Erinnerungen an meinen Großvater und seine Schwester zu recherchieren, zu bewahren und sichtbar zu machen, meinen aufrichtigen Dank aussprechen. Es bedeutet meiner Familie so viel, zu wissen, dass ihr Andenken hier in Dresden bewahrt wird. Mein Großvater wäre heute stolz und glücklich, mich als Vertreter der Vereinigten Staaten in Deutschland zu sehen - in einem freien, demokratischen Land, das untrennbar mit der Geschichte meiner Familie verbunden ist. Die Vereinigten Staaten stehen fest an der Seite all derer, die sich dem wachsenden Antisemitismus und allen Formen von Hass entgegenstellen – im eigenen Land und weltweit. Das Erinnern an den Holocaust bleibt ein zentraler Bestandteil dieses Engagements und macht uns alle stärker und sicherer.“
Die Biographien von Gerda und Richard Werner Löwenstein recherchiert haben Mitglieder des Vereins Stolpersteine für Dresden e. V. Verlegt wurden sie vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der sich diese Art des Gedenkens für die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus vor 29 Jahren ausgedacht hat und seitdem über 117.000 in 33 verschiedenen Ländern verlegt hat.