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Stollenprüfung in der Altmarkt-Galerie

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Kalori­en­schwere Zeiten für die Dresdner Stollen­prüfer: Der Weihnachts­stollen des Jahrganges 2016 befindet sich bereits in der Testphase. Am Freitag setzten die Kontrol­leure im Auftrag des Schutz­ver­bandes Dresdner Stollen die Quali­täts­prü­fung des berühmten Weihnachts­ge­bäcks fort. Passanten konnten ihnen bei der Verkos­tung in der Altmarkt-Galerie über die Schulter schauen. In dieser Saison sind insge­samt 18 Prüfungs­tage angesetzt. Die 30 Kontrol­leure arbeiten in sechs Teams. Neben Geschmack und Geruch wird auch das Aussehen beurteilt. Insge­samt werden etwa 150 Stollen von Bäckern aus Dresden und dem Umland geprüft, wie der Jury-Vorsit­zende Ralf Ullrich sagte. Wer besteht, bekommt das begehrte Gütesiegel. Wie bei der Verkos­tung anderer Lebens­mittel müssen die Prüfer zwischen­durch ihre Geschmacks­nerven neutra­li­sieren. In der Regel wird dazu Tee getrunken. Rund 160 mögliche Kritik­punkte listet der Prüfungs­bogen auf. Ein häufiger Fehler seien Mängel in der Form, erklärte Ullrich. „Zu flach, breit­ge­flossen, Pilzform, Taillen­bil­dung, keulen­förmig“ - so heißen mögliche Fehlbil­dungen.  Punkt­abzug gibt es auch, wenn der Stollen zu dunkel gebacken oder derPuder­zu­cker schon durch­ge­fettet ist. Maximal 20 Punkte sind möglich, ab 17,5 gilt ein Stollen als „sehr gut“. Bei weniger als 16 Punkten müssen die Bäcker Mängel beheben und neue Exemplare zur Prüfung einrei­chen. Die größeren Bäcke­reien werden mehrmals geprüft.Stollen haben in Dresden eine lange Tradi­tion. Zu Beginn des Stollen­zeit­al­ters vor etwa 565 Jahren hieß das Gebäck noch Strozel und sollte mit seiner Form das in Windeln gewickelte Christ­kind symbo­li­sieren. Große Karriere machte der Stollen im 18. Jahrhun­dert, als er am sächsi­schen Hof die Gaumen­freuden von August dem Starken berei­cherte.  Vor mehr als 100 Jahren wurden Stollen bereits nach Übersee expor­tiert. Nicht nur für Dresdner gehört er zu Weihnachten wie das Ei zu Ostern. Viele Bäcker machen aus ihrer Rezeptur ein Geheimnis. Neben Mehl, Butter und Milch dürfen auch handver­le­sene Sulta­ninen und Rosinen sowie Mandeln und exoti­sche Gewürze nicht fehlen. Bei der genauen Mixtur lässt sich ein Bäcker aber nicht in den Trog schauen.