Premiere für Semperopernball im neuen Gewand
Nach drei Jahren Pause fand am Freitagabend der Dresdner Semperopernball in neuer Form wieder statt - unter dem Motto „Lasst uns tanzen“. Anders als vor der Corona-Pandemie wurde der Anteil musikalischer Acts deutlich erhöht und die bisherigen Arien an Preisverleihungen auf ein Mindestmaß reduziert. Moderatorin Stephanie Stumph hatte das erneuerte Konzept gleich zu Beginn etwas salopp so angekündigt: „Es wird mehr getanzt und weniger gequatscht.“
Schon vor dem offiziellen Beginn versammelten sich vor der Oper viele Schaulustige, um beim Openairball einen Hauch des Glanzes mitzuerleben. Co-Moderator Tom Wlaschiha zählte 5000 Gäste und schwärmte vom Theaterplatz als größtem Tanzparkett der Welt.
Mit einer Breakdance-Einlage wurde der Taktstock dann von draußen tanzend in den Saal zu Dirigent Jonathan Darlington ans Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden befördert. Damit konnte es auch musikalisch losgehen.
Den Auftakt machte die Staatskapelle mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“. Parallel dazu illuminierte draußen ein Feuerwerk den abendlichen Himmel über Dresden.
Der Mexikaner Rolando Villazón - von der Moderation als „fröhlichster Tenor der Welt“ angekündigt - sang eine Tarantella von Gioachino Rossini. Das Ballett der Semperoper war unter anderem mit dem Adagio aus Tschaikowskys „Dornröschen“ zu erleben. Auch der Opernchor bekam für seinen Auftritt viel Beifall.
Ganz wollte auch der neue Ball nicht auf Auszeichnungen verzichten. Der Choros-Award - eine Plastik aus Meissener Porzellan - wurde dreimal verliehen. Der unlängst gestorbene Entertainer Gunther Emmerlich (1944-2023) erhielt den Preis posthum, er hatte den Ball einige Jahre moderiert. Die Sopranistin Nikola Hillebrand nahm den Award als Newcomerin in Empfang und sang eine Arie aus „Manon“ von Jules Massenet. Musiker Michael Patrick Kelly bekam den Award für sein gesellschaftliches Engagement zugesprochen.
Der Rest des Abends verging mit Balltrubel. 180 Debütantinnen und Debütanten zogen zu den Klängen des „Persischen Marsches“ von Johann Strauss ein. Später erschien Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit seiner Frau auf dem Parkett und eröffnete den Ball für das Publikum. Das Parkett füllte sich rasch. Das Fest sollte bis nach Mitternacht gehen. (dpa)
Sänger Michael Patrick Kelly ist Preisträger des Abends
Michael Patrick Kelly wird beim Dresdner Semper-Opernball für sein Engagement für Menschen in Krieg und Unterdrückung geehrt. Der Sänger bekommt den Choros-Award.
Mit dem Award zeichnen die Ballmacher Persönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weise für andere Menschen einsetzen. Kelly wird den mit 5.000 Euro dotierten Preis beim Ball am 23. Februar persönlich entgegennehmen.
Comeback nach drei Jahren Pause
Ein Eklat um die Verleihung eines Ballordens an Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi vor knapp drei Jahren löste bei vielen Menschen Empörung und Protest aus. Zwei Co-Moderatorinnen des Balls und mehrere Künstler sagten ab. Al-Sisi kam nach einem Militärputsch an die Macht und geht mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Ende letzten Jahres stellte sich der Verein schließlich neu auf, indem der langjährige Ball-Impresario Hans-Joachim Frey vom früheren MDR-Programmchef Jacobi abgelöst wurde.
Der Sempeopernballverein ist ein nicht gemeinnütziger, privatrechtlich organisierter und wirtschaftlich tätiger Verein. Er veranstaltet und organisiert seit 2006 die Bälle in der Semperoper.
Stadträte mit scharfer Kritik an Ausrichtung des Balls
Das gesellschaftliche Großereignis sorgt aber auch für jede Menge Kritik. Für die Linken im Stadtrat ist der Ball völlig aus der Zeit gefallen.
Stadtrat Tilo Wirtz bezeichnet das Event „gesellschaftlich feudal durchstrukturiert“. Er würde nicht geschenkt auf den Ball gehen, „wo der Geldadel an Tischen sitzt, das Bürgertum mit Flanierplätzen im Hause vorliebnimmt und das seine Aufwartung machende einfache Volk draußen vor der Tür bespaßt wird.“
Sich von den Missgriffen bei Preisverleihungen halb zu distanzieren, reicht nach Ansicht der Linken nicht aus. Der Semperopernball müsse tiefer ansetzen, so Tilo Wirtz. „Bis dahin kann von der Repräsentanz unserer demokratisch verfassten Gremien nur dringend abgeraten werden, dem ganzen mit ihrem Erscheinen auch noch einen offiziellen Anstrich zu geben."