Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Galgens bei Pegida-Demo
Die Staatsanwaltschaft Dresden hat nach der Pegida-Demo mit einem selbst gebastelten Galgen Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet. Wie ein Polizeisprecher sagte, werde wegen Störung des Öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (§ 126 StGB) sowie wegen Öffentlicher Aufforderung zu Straftaten (§ 111 StGB) ermittelt. Bei der Pegida-Demo hatten Demonstranten an einem Galgen Schilder aufgehängt mit der Aufschrift reserviert für Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Bachmann: "lächerliche Bastelarbeit"Pegida-Chef Lutz Bachmann schrieb auf seiner Facebook-Seite von einer "lächerlichen Bastelarbeit mit Schreibfehlern". Ob der falschen Schreibweise des Vornamens von Gabriel mit "ie" sei er "erleichtert" und "schon fast ein bisschen belustigt", erklärte Bachmann. Zudem sprach Bachmann von einer Übertreibung durch die Medien, die durch den Bildausschnitt entsteht. Der Galgen sei "ca. 1,20 m lang, aus dünnen Latten (also kein Verstoß gegen Versammlungsauflagen), kann offensichtlich einhändig getragen werden." Gleichzeitig bemängelte Bachmann, dass über den versuchten Diebstahl von Spenden-Tonnen bei der Pegida-Demo durch drei Gegendemonstranten, nicht berichtet würde. Wie eine Polizeisprecherin unserem Sender auf Anfrage am Dienstagmittag sagte, hätten zwei Personen versucht, eine Spendenbox mitzunehmen. Gegen die Männer (35 und 30 Jahre alt) werde ermittelt.Staatsanwalt Hille: "Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen"Wie Staatsanwalt Jan Hille unserem Sender sagte, könne man auf Plakaten oder Demonstrationen nicht alles sagen, was man will. "Auch Meinungs- und Versammlungsfreiheit habe ihre Grenzen. Vor allem dort, wo sie aufstachelt zu Gewalttaten gegen andere Menschen. Das ist nicht hinnehmbar und nicht demokratisch." Laut Hille reicht der Strafrahmen für die vorgeworfenen Straftaten von einer Geldstrafe bis zu Freiheitsstrafen von bis zu maximal fünf Jahren.Mehrere Fotos für Ermittlungen bei der PolizeiAm Montagabend war die Polizei nicht gegen den Galgen vorgegangen. Wie ein Polizeisprecher sagte, sei dies immer eine Abwägungsfrage. Primäres Ziel sei die Sicherung der Demonstrationen. Man habe mehrere Fotos für die Ermittlungen und sei zuversichtlich, den Verursacher zu identifizieren. Das habe bei den Ermittlungen zur Hetze gegen Kanzlerin Merkel in Heidenau auch geklappt.Merkel wird nicht Anzeige erstattenBundeskanzlerin Angela Merkel wird persönlich nicht gegen die Galgen-Attrappe vorgehen. "Über die strafrechtliche Relevanz eines solchen Vorfalles werden die zuständigen Strafverfolgungsbehörden entscheiden", sagte eine Regierungssprecherin der Deutschen Presse-Agentur. "Weitere Schritte von Seiten des Bundeskanzleramtes sind derzeit nicht geplant."(Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde am Dienstagmittag um neue Informationen der Polizei und das Statement der Regierungssprecherin ergänzt.)Der Tweet mit dem Galgen hatte sich am Montagabend rasch in den Sozialen Medien verbreitet:
Die Botschaft ist ziemlich klar. Gerade gesehen bei #Pegida in #Dresden. #Merkel#Gabrielpic.twitter.com/XCTY7FqJQM
— Nadine Lindner (@ostwestkonflikt) 12. Oktober 2015