SPD will Wagner-Akademie stoppen
Dresden bekommt 15 Mio. Euro geschenkt - und kaum einer freut sich! So lief Ende September die Verkündung des Baus der sogenannten Wagner-Akademie, eine Spezialeinrichtung zum Studium der frühen Werke von Richard Wagner. Nur Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele, sowie Oberbürgermeister Dirk Hilbert zeigten sich sehr erfreut, dass der Bund für das 60 Mio. Euro teure Vorhaben bereits 15 Mio. Euro Fördermittel zugesagt hat. Doch der Alleingang des Duos könnte jetzt im Stadtrat gestoppt werden. Denn weder die 70 Stadträte, noch Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) waren vorher in die Planungen eingeweiht. Als Grundstück stehen die städtischen Flächen am Königsufer gleich neben der Augustusbrücke zur Debatte. Doch auch dafür gibt es bereits einen Bebauungsplan, der eine kleinteilige Bebauung und kein großes Konzerthaus vorsieht.
Die Wagner-Akademie soll einen Musiksaal mit 600 Plätzen sowie Büroräumen für die Dresdner Musikfestspiele beherbergen. „Das Vorhaben passt nicht in die Zeit, wenn wir von Kürzungen im Haushalt - auch bei anderen Kultureinrichtungen - reden, den Bürgern Steuererhöhungen und mehr Gebühren zumuten“, so SPD-Stadtrat Peter Lames. Er fordert per Eilantrag einen sofortigen Stopp der Planungen am Projekt: „Auch Planungen kosten schon Geld und binden Personal“, so Lames. Zudem sei so ein Konzerthaus purer Luxus, wenn Erhöhungen der Kita-Gebühren oder auch die Anhebung der Grundsteuer im Gespräch sind, um den Stadthaushalt für 2025/26 auszugleichen. Laut Lames plane der OB, den Eigenanteil der Stadt für die Wagner-Akademie über einen Kredit zu finanzieren - ein absolutes Novum seit Dresden durch den Verkauf der WOBA schuldenfrei wurde. Auch der Bau des Berufsschulzentrums für Technik (127 Mio. Euro) soll wegen knapper Kassen nun über geborgtes Geld erfolgen.
Zudem verlangte der Stadtrat in seinem Beschluss für den Bebauungsplan des Königsufers im März diesen Jahres eine Bedarfsprüfung der Flächen am Königsufer, die der Stadt bzw. dem Freistaat gehören. Diese liege immer noch nicht vor - und dennoch werden Teilflächen schon für die Wagner-Akademie verplant. Die 15 Mio. Euro zugesagter Bundesmittel will die SPD „mit ein bisschen politischem Willen“ für die Carolabrücke umwidmen lassen. Ähnliches hatte der OB auch bei den bereits zugesagten Fördergeldern für die Sanierung des Fernsehturms vom Bund gefordert.
Ob der Eilantrag zum Planungsstopp an der Wagner-Akademie zugelassen wird, entscheidet diesen Donnerstag der Oberbürgermeister. Sollte er keine Eilbedürftigkeit sehen, muss das Thema jedoch spätestens im Stadtrat im Dezember behandelt werden.