• Sozialbürgermeisterin Kaufmann war am Dienstagvormittag bei der Obdachlosenunterkunft in Pieschen. Dort wird weiter gegen die Umzugspläne demonstriert. (Foto: T. Plunert)

    Sozialbürgermeisterin Kaufmann war am Dienstagvormittag bei der Obdachlosenunterkunft in Pieschen. Dort wird weiter gegen die Umzugspläne demonstriert. (Foto: T. Plunert)

Sozialbürgermeisterin wegen Protesten an Obdachlosenunterkunft in Pieschen

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Die Dresdner Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann hat sich am Dienstagvormittag etwa eine Stunde mit Demonstranten und Bewohnern der Obdachunterlosenunterkunft in Pieschen unterhalten. Ein Kompromiss wurde dabei nicht gefunden, kritisierten die Demonstranten.

Auch seit Dienstagmorgen wurde wieder wie bereits am Montag gegen den geplanten Umzug von 20 Bewohnern an den Stadtrand demonstriert. Die Aktivisten kritisieren, dass die Menschen an den Rand gedrängt würden. Ein Anwalt eines Betroffenen hat am Verwaltungsgericht inzwischen einen vorläufigen Umzugsstopp erwirkt.
 

Am Montagnachmittag hatte sich das Sozialamt auf unsere Anfrage zu den geplanten Umzügen geäußert:

Für die Umzüge gibt es verschiedene Gründe. Zum Einen hat der Stadtrat am 20. September 2018 das Wohnungsnotfallhilfekonzept beschlossen. Dieses sieht unter anderem zur Verbesserung der Unterbringung von wohnungslosen Menschen eine stärkere Profilierung von Einrichtungen (s. Maßnahme B.1) und die Schaffung einer Motivationseinrichtung (s. Maßnahme B.2, Objekt Zur Wetterwarte 34) vor. Andererseits steht die Sanierung des Übergangswohnheims am Emerich-Ambros-Ufer 59 bevor, sodass dieses Objekt bis Ende September 2019 leergezogen wird (s. Maßnahme B.3). Zudem ist anzumerken, dass das Sozialamt (unter Anwendung der Satzung für die Unterbringung besonderer Bedarfsgruppen) berechtigt ist, Personen in ein Übergangswohnheim zuzuweisen; ein Rechtsanspruch auf Aufnahme oder dauerhaften Verbleib in einer bestimmten Einrichtung oder in Räume bestimmter Art und Größe besteht nicht.

Wohnheim barrierefrei

Zur Sicherstellung einer einrichtungsübergreifend-bedarfsgerechten Unterbringung in Dresden hat das Sozialamt alle städtischen Unterbringungseinrichtungen betrachtet. So richtet sich das Übergangswohnheim "Zur Wetterwarte 34" - mit den baulichen und konzeptionellen Bedingungen - insbesondere an Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, z. B. aufgrund einer bestehenden Suchterkrankung. Darüber hinaus ist das Wohnheim, aufgrund der vorhandenen Barrierefreiheit (Bewohnerräume, Sanitär- und Küchenräume), besonders für Rollstuhlnutzende geeignet. Anhand bestimmter Kriterien wurden 20 Wohnungslose, die bislang im Übergangswohnheim "Hubertusstraße 36c" wohnten, ermittelt. Mit ihnen wurde der Umzug in das Objekt "Zur Wetterwarte 34" besprochen. Die Abstimmung erfolgte in enger Kooperation mit der Einrichtungsleitung.

Zum Thema Nahverkehr

Die Teilhabe am öffentlichen Leben ist über mehrere Aspekte abgesichert. Zum Einen verfügt das Übergangswohnheim "Zur Wetterwarte 34" konzeptionell über verschiedene Angebote, z. B. einen eigenen Fahrdienst. Zum Anderen ist die Anbindung an den ÖPNV gegeben. Aktuell wird die dem Wohnheim nächste Haltestelle - im Zuge der Straßenerneuerung - barrierefrei ausgebaut. In Kooperation mit den DVB wurde für die Bauzeit ein Shuttlebus eingerichtet.

Der Bus fährt täglich im Stundentakt zwischen 7.45 Uhr und 17.45 Uhr die barrierefreie Haltestelle Arkonastraße an. Ein Ein- und Ausstieg an der dem Wohnheim nächstgelegenen Straßenbahnhaltestelle Industriepark Klotzsche ist via Rampe möglich.

Der Umzug soll nun offenbar am Mittwoch erfolgen, Aktivisten wollen weiter demonstrieren.

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