So kam das Gift in den Wein
Im Skandal um mit Insektiziden verseuchte Weintrauben im Elbtal hat sich nun erstmals ein Betroffener Winzer zu Wort gemeldet. Bei einer Pressekonferenz teilte Winzer Jan Ulrich am Freitagmittag mit, dass ausschließlich zugekaufte Trauben belastet sind. Trauben direkt vom Weingut seien demnach nicht betroffen. Ein Landwirtschaftsbetrieb aus Gröbern habe Trauben geliefert, die mit einem Pflanzenschutzmittel kontaminiert sind. Der Betrieb habe die Trauben wohl nicht selbst gespritzt, da ihm dazu die Technik fehlt, sondern ein Mitglied der Winzergenossenschaft. Das würde wohl auch die weiteren Fälle belasteter Weine bei der Winzergenossenschaft erklären. Alle litten nun unter dem Imageschaden. Wer das Mittel gespritzt hat, dazu schweigen sich die Beteiligten bislang aus.Wie ein Sprecher der Winzergenossenschaft auf Anfrage mitteilte, sei das Mittel von der Baywa bei Weinböhla an den entsprechenden Landwirt verkauft worden. Im Obstbau ist das Mittel zulässig, im Wein dagegen verboten. Das Pflanzenschutzmittel "Dimethoat" soll beispielsweise vor Essigfliegen schützen. Etwa 500 Winzer hätten entsprechende Lehrgänge im vergangenen Jahr belegt, welche Mittel zulässig sind und welche nicht.Der 2015er Goldriesling (etwa 4000 Liter) und Müller-Thurgau (etwa 9000 Liter) bei Jan Ulrich werden vernichtet, alle weiteren zugekauften Weine werden nun untersucht. Die Schadenssumme liege derzeit bei 100.000 Euro, sagte Ulrich. Die Kosten wolle man dem Zulieferer in Rechnung stellen. Auch bei der Winzergenossenschaft Meißen gibt es entsprechende Fälle.Die Winzergenossenschaft Meißen lässt nun alle Weine des Jahrgangs 2015 vorerst in den Tanks. Die Kontrollen werden jetzt auf alle Weine ausgeweitet, teilte die Genossenschaft am Donnerstagabend mit. Auch bei der Genossenschaft deuten erste Prüfergebnisse auf kontaminierten Wein hin.Weitere Weine belastet„Aktuell liegen erste Ergebnisse zum Jahrgang 2015 vor, die auch in unserem Haus auf belastete Weine hinweisen“, teilte Lutz Krüger, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Meißen, mit. „Wir werden aber diese Weine in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden natürlich weder auf Flasche ziehen noch auf irgendeine Art und Weise in den Verkehr bringen.“ Erst wenn die Laboruntersuchungen eine Belastung ausschließen, werden die Weine auf Flasche gezogen, hieß es. Wein muss bei Grenzwertüberschreitung vernichtet werdenDas für die Aufsicht zuständige Landratsamt Meißen teilte auf Anfrage mit, die Laboruntersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Die Winzergenossenschaft lässt den Wein in einem zertifizierten Labor selbst untersuchen, die Landesuntersuchungsanstalt führt bei Grenzwerten einen zweite Laboruntersuchung durch. "Wird der Grenzwert überschritten, darf der Wein nicht in den Handel und muss vernichtet werden. Gesundheitliche Gefahren sind bei der geringen Menge eher unwahrscheinlich", teilte Sprecherin Kerstin Thöns mit.Bei den Untersuchungen gehe es ausschließlich um das Pflanzenschutzmittel. "Im Obstbau darf es verwendet werden, beim Wein ist es verboten", sagte Thöns.