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Schleuserprozess in Görlitz - Angeklagter gibt sich ahnungslos

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Er wollte angeblich nur Motorräder von der polnisch-weißrussischen Grenze nach Görlitz transportiert haben. Dass er tatsächlich 27 Iraker, Syrer und Türken in einem Kleintransporter schmuggeln sollte, bestritt der 23-jährige Ukrainer. Ihm wird seit heute vor dem Landgericht Görlitz der Prozess gemacht.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Er habe die Migranten der konkreten Gefahr des Todes ausgesetzt. Die Menschen – darunter vier Kinder – saßen eng zusammengedrängt rund sieben Stunden im Laderaum des geschlossenen, fensterlosen Transporters. Die beiden  Türen  waren verriegelt.  Der Griff der Hecktür war abgebrochen und lag in einer Seitenablage im Fahrerhaus.  Die Menschen konnten nicht raus.

„Sie riefen: Air, Air, Air!“

Die Insassen klagten über Atemnot. Ein Kind war ohnmächtig geworden, eine Frau erlitt einen Schwindelanfall.  Sie bekamen nichts zu essen, durften ihre Notdurft nicht verrichten. Der Fahrer warf bei einem kurzen Zwischenstopp nur zwei Wasserflaschen in den Laderaum und schob die Tür gleich wieder zu. Als Polizisten in Görlitz die hintere Tür des Transporters öffneten, riefen sie „Air, Air, Air!“. Sie rangen nach Luft  „Die Menschen waren erschöpft, ängstlich, verschwitzt und ausgehungert“, schilderte einer der Beamten. „Die Kinder und Frauen saßen und lagen, die Männer standen auf der Ladefläche.“

„Mich hat es nicht interessiert, was das für Menschen sind“

Der Angeklagte gab an, über den Messengerdienst „Telegram“ ein Angebot zum Transport von Motorrädern erhalten zu haben. Er sei zur einem Punkt an der polnisch-weißrussischen Grenze geschickt worden. Dort wurde ihm der für ihn angemietete Kleintransporter weggenommen. Nach einer knappen halben Stunde übernahm er den Wagen. Er sollte zu einem Ziel nach Breslau fahren. Auf dem Weg hörte er Klopfgeräusche aus dem Laderaum. Sein Auftraggeber habe ihn aufgefordert, die Fahrt fortzusetzen, mit der Bemerkung,  es seien nur die Begleitpersonen für die Motorräder.    „Mich hat es nicht interessiert, was das für Menschen sind. Ich stand unter Schock, hatte Angst vor meinen Auftraggebern.“ In einem Vorort von Breslau bekam er neue Koordinaten auf sein Handy. Neues Ziel: Görlitz.

Für die Fahrt sollte der in Polen lebende Ukrainer 400 Zloty bekommen. Das sind umgerechnet knapp 90 Euro.  Der Prozess wird am 8. April fortgesetzt.