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„Schlamperei“ - Ostbeauftragte distanziert sich von Rechtsex­tremismus-Studie

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Die Ostbe­auf­trage der Bundes­re­gie­rung, Iris Gleicke, hat sich von der von ihrem Haus in Auftrag gegebenen Studie zu Rechts­ex­tre­mismus im Osten offiziell distan­ziert. Das berichtet die Sächsische Zeitung. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte am Donnerstag die Distanzierung.  In einem Brief ans Institut für Demokratieforschung an der Uni Göttingen prüfe sie sogar die Rückforderung bislang ausgezahlter Mittel, berichtet die SZ. Das Schreiben liegt der Zeitung vor. Wie das Wirtschaftsministerium mitgeteilt hatte, belaufen sich die Kosten der Studie auf rund 130.000 Euro. In der Studie ging es u.a. auch um Freital und Heidenau, bereits bei der Veröf­fent­li­chung gab es Kritik an metho­di­schen Mängeln bei der Studie - nun sind neue Fehler aufge­taucht. So ist ein Abschnitt über einen Erfurter Stadtrat aus einer neuen Version der Studie getilgt worden, ohne nähere Erläu­te­rung. Dort seien nicht haltbare Behaup­tungen aufge­stellt worden, berichtet die SZ. Gleicke sprach von mangelnder Sorgfalt und "nicht hinnehm­barer Schlam­perei".Zuvor Studie vertei­digtIm Mai hatte Gleicke die Studie gegen Kritik vertei­digt.  Die Ostbe­auf­tragte der Bundes­re­gie­rung hatte Kritik an der Methodik an der von ihr vorge­stellten Rechts­ex­tre­mismus-Studie zurück­ge­wiesen. Die Studie hatte festge­stellt, dass Ostdeut­sche beson­ders anfällig für rechts­ex­treme Umtriebe sind. Sie sehe keinen Grund für Zweifel an Inhalt und Methodik der Studie des Göttinger Insti­tuts für Demokra­tie­for­schung, sagte Gleicke damals laut einer Presse­mit­tei­lung. "Fremden­feind­lich­keit und Rechts­ex­tre­mismus sind eine ernste Bedro­hung für den sozialen Frieden und die wirtschaft­liche Entwick­lung in Ostdeutsch­land", erklärte sie. "Ursachen müssen schonungslos und ohne Tabus aufge­deckt und offen­ge­legt werden."In CDU-Kreisen hatte sich Unmut über die Methodik geregt. Der Ansatz, sich auf 40 Inter­views zu stützen, sei "mehr als zweifel­haft", sagte damals Unions­frak­ti­ons­chef Volker Kauder der Bild-Zeitung. Sein für den Osten zustän­diger Stell­ver­treter Arnold Vaatz warf den Autoren vor, ledig­lich drei Hochburgen von Rechts­ex­tre­misten in Sachsen und Thüringen analy­siert, aber ein Urteil für ganz Ostdeutsch­land gefällt zu haben.Gleicke entgeg­nete damals, es gebe keine Veran­las­sung für Zweifel daran, dass der Auftrag­nehmer die Studie nach aktuellen wissen­schaft­li­chenStandards ausge­führt habe. Es handele sich nicht um eine reprä­sen­ta­tive Studie, sondern um "Quali­ta­tive Sozial­for­schung". (red mit dpa)