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Schandau: Warum Autofähre und Pontonbrücke nicht gehen

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Wie geht es weiter mit der gesperrten Elb-Brücke in Bad Schandau? Um das einschätzen zu können, werden derzeit Materialproben aus der Spannbetonbrücke herausgebrochen, Stahlträger, Zement und auch der Mörtel untersucht. Außerdem brachte diese Woche eine Fachfirma Sensoren an der Brücke an, die weitere Bewegungen im Bauwerk messen sollen.

Hintergrund: Das Unterspannband zeigte bei einer Sonderprüfung nach dem Einsturz der Dresdner Carolabrücke eine doppelt so starke Verformung auf, wie von Ingenieuren einst berechnet. Es gibt Längs- und Querrisse, rostiges Wasser tritt aus. Deswegen wurde die Brücke am 6. November sozusagen über Nacht dicht gemacht.

Ein Verkehrsschild an der Absperrung warnt seitdem vor „Lebensgefahr“. Lars Rossmann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr erklärt: „Der Gutachter hat anhand der Brücken-Prüfung die neuralgischen Stellen aufgezeigt, dort entnehmen wir jetzt Materialproben. Dazu wird der Beton auf ca 40 x 15 Zentimetern geöffnet, sowohl Zement als auch Stahllitzen entnommen.“ Ergebnisse dieser Proben sollen Ende Dezember vorliegen.

Dann soll übrigens auch die nahegelegene Eisenbahnbrücke, die ebenfalls die Elbe quert, als Auto-Alternative durchgeprüft sein. Stephan Berger vom Wirtschaftsministerium erklärt: „Meines Erachtens ist eine Doppelnutzung möglich. Es fahren nicht so viele Züge darüber, dass man zu  bestimmten Zeiten die Brücke für Autos nicht kurzzeitig sperren könnte.“ Dazu würde neben den Gleisen einspurig die Fahrbahn  erneut wieder verlegt – denn die Bahnbrücke diente vorm Bau der großen Spannbetonbrücke über die Elbe bereits schon mal dem Autoverkehr. Berger: „Eines ist jedoch klar: Die Bahnbrücke kann nicht den Verkehr aufnehmen, den die gesperrte Elbbrücke täglich bewältigte. Sie würde vorrangig für Rettungskräfte, Lieferanten und Anwohner geöffnet, die derzeit weite Umwege in Kauf nehmen müssen.“

Auch andere Alternativen – außer der bereits verkehrenden, kostenlosen Personenfähre – wurden geprüft. So wäre eine Autofähre grundsätzlich auch denkbar, doch es sei auf dem Markt einfach keine zu bekommen, so das Wirtschaftsministerium. Definitiv vom Tisch sei eine Pontonbrücke der Bundeswehr. Berger: „Das haben wir geprüft und müssen es aber ausschließen.“ Zum einen sei die Strömung sehr stark an dieser Stelle, zum anderen könne dann der Schiffsverkehr perspektivisch nicht wieder aufgenommen werden. Letzteres sei vorgesehen, wenn die Brücken-Prüfer die Einsturzgefahr der Schandauer Elbbrücke ausschließen können.

Ähnlich kompliziert wäre ein Behelfsneubau einer Brücke parallel zur Elbbrücke. Sie müsste für die Schiffe eine Mindesthöhe haben, muss flutsicher sein und würde allein von der Planung und Genehmigung bis zum Bau Jahre dauern.   

Und wenn das nicht schon schlimm genug für Anwohner und Touristen wäre, stehen auch noch zwei weitere Spannbetonbrücken aus den 70er Jahren in Bad Schandau zur Sonderprüfung an: Der erste Teil der Elbbrücke, der derzeit noch die Zufahrt zum Bahnhof ermöglicht und die Hochbrücke über die Gleise in Richtung Krippen. Lars Rossmann: „Sie werden in ein bis zwei Monaten geprüft. Allerdings erst von der Unterseite, so dass sie vorerst nicht für den Verkehr gesperrt werden müssen.“

Audio:

Stephan Berger vom Sächsischen Verkehrsministerium zu möglichen Alternativen
Stephan Berger vom Sächsischen Verkehrsministerium zu einer möglichen Doppelnutzung der alten Eisenbahnbrücke
Lars Rossmann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr zu aktuellen Prüfungen an der Elbbrücke Bad Schandau