S-Bahn-Schubser von Dresden-Zschachwitz bleiben auf freiem Fuß
Die mutmaßlichen S-Bahn-Schubser von Dresden-Zschachwitz bleiben weiter auf freiem Fuß. Die Ermittlungen werden unter Hochdruck in alle Richtungen geführt, hieß es von der Dresdner Staatsanwaltschaft. Doch selbst die Videobilder aus den S-Bahnen sind noch nicht ausgewertet.Am Freitagmorgen hatten zwei betrunkene Männer aus Marokko und Libyen einen 40-jährigen Dresdner nach einer Auseinandersetzung mit seinem Fahrrad auf die Gleise gestoßen und nicht nach oben gelassen. Sie hinderten ihn mit Tritten, wieder auf den Bahnsteig zu kommen. Eine S-Bahn bremste im letzten Moment. Die betrunkenen Männer hatten laut Bundespolizei nach Feuer gefragt, der Pendler hatte diese verneint, daraufhin eskalierte die Situation.Staatsanwaltschaft beantragt keinen HaftbefehlWie Lorenz Haase, Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft auf unsere Anfrage mitteilte, sei aus mehreren Gründen kein Haftbefehl beantragt worden: Für eine möglicherweise vorliegende gefährlichen Körperverletzung gebe es keinen Haftgrund, da beide Beschuldigten einen festen Aufenthaltsort haben und nicht vorbestraft sind. Eine sehr hohe Strafe sei nicht zu erwarten, die eine Inhaftierung rechtfertigen würde. Laut Bundespolizei seien die Männer allerdings polizeibekannt und mit verschiedenen Delikten bereits auffällig geworden.Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit auch keinen dringenden Tatverdacht für ein Kapitaldelikt (Mord- oder Totschlagversuch), denn: "soweit bekannt, hatte das Opfer die Möglichkeit gehabt, die Gleise in eine andere Richtung zu verlassen", sagte Haase. Deswegen sei man zu der Einschätzung kommen, dass ein dringender Tatverdacht zu verneinen sei. Man müsse den Sachverhalt aber weiter umfassend prüfen, sagte Haase.Entsetze ReaktionenMehrere Politiker wie zum Beispiel Rechtsanwalt Christian Piwarz von der Dresdner CDU zeigten sich empört. "Ich bin fassungslos darüber, dass hier nicht einmal ein Haftbefehl beantragt wurde und Kriminelle auf freiem Fuß sind", sagte Piwarz bei uns im Interview. "Aus meiner Sicht ist ein Tötungsvorsatz zu prüfen und zu bejahen und das ist dann ein Kapitalverbrechen. Damit gebe es einen Haftgrund, so Piwarz. "Die Begründung der Staatsanwaltschaft verschlägt mir die Sprache. Es kommt nicht darauf an, was das Opfer tut oder nicht tut. Es kommt auf die Motivation der Täter an, sagte Piwarz. "Der Rechtsstaat muss aufpassen, dass er nicht die Legitimation bei der Bevölkerung verliert."Videobilder bei Bundespolizei noch nicht ausgewertetDie Dresdner Bundespolizei sucht weiter Zeugen zu dem Vorfall und wertet immer noch Videomaterial aus. Dies werde auch noch einige Tage dauern, sagte der Dresdner Bundespolizeisprecher Holger Uhlitzsch. Auf die Frage, warum dies so lange dauert, erklärte Uhlitzsch, dass zunächst die Festplatte mit dem Videomaterial in dem Zug von der Deutschen Bahn ausgebaut wird, die Bilder würden dann heruntergeladen und dann auf ein spezielles System der Polizei überspielt. Die Bundespolizei sucht derzeit insbesondere eine Frau, die am Bahnsteig etwas beobachtet haben könnte. Zudem haben Beamte am Sonntagmorgen am Haltepunkt Zschachwitz die Lichtverhältnisse geprüft. Drohungen in sozialen MedienDer Staatsschutz prüft nun auch Aufrufe zur Selbstjustiz in den sozialen Medien. So wurde u.a. in Facebook-Kommentaren dazu aufgerufen sich an einem Asylheim zu versammeln, in dem angeblich einer der Verdächtigen wohnt. Auch Aufrufe zur Brandstiftung und Gewalt tauchten auf. Man habe das auf dem Schirm, hieß es von der Dresdner Polizei. Nähere Angaben wollte die Landespolizei nicht machen.