Rücktrittswelle bei der AfD Sachsen
Die sächsische AfD erlebt eine Reihe von Rücktritten. Die bisherige AfD-Vorsitzende Frauke Petry vollzieht noch heute ihren angekündigten Austritt aus der Partei. Sie will aber weiter im Landtag und Bundestag ihre Mandate behalten. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der sächsischen AfD-Landtagsfraktion, Uwe Wurlitzer, verlässt heute die Partei. Ebenso will Andrea Kersten die Fraktion verlassen, berichtete die Freie Presse. Die Partei bestätigte den Rücktritt. Ebenso verlässt die Abgeordnete Kirsten Muster die Partei.AfD-Fraktion im Landtag schrumpftDamit schrumpft die AfD-Fraktion im Landtag, muss möglicherweise sogar um den Fraktionstatus zittern, sollten weitere Rücktritte erfolgen. Aktuell sind noch 10 von bisher 14 Mandaten bei der AfD. Sollten weitere vier Abgeordnete die AfD verlassen, dann hätte sie keine Fraktionsstärke mehr im Landtag. Bei sieben Mitgliedern würde sie den Status wohl noch behalten, erläuterte Landtagssprecher Ivo Klatte auf unsere Anfrage.Urban fordert: Mandate zurückgebenNach den Austritten von Frauke Petry, Uwe Wurlitzer, Kirsten Muster und Andrea Kersten aus der AfD-Fraktion erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Jörg Urban:"Wir fordern die Ausgetretenen auf, ihr auf AfD-Liste erhaltenes Mandat zurückzugeben. Zur Landtagswahl haben die Bürger AfD gewählt und somit ein Recht darauf, auch originäre AfD-Politik zu erhalten. Den Wählern ist zudem nicht vermittelbar, wie die Doppelbelastung von Bundes- und Landesmandat von Frauke Petry sinnvoll zu bewältigen sein soll. Die AfD ist gerade wegen einer dringend notwendigen politischen Erneuerung gewählt worden. Politische Spielchen im Stile der etablierten Parteien untergraben diese Wiederherstellung politischer Glaubwürdigkeit."AfD-Vorstände Simon und Nahlob legen Ämter niederAuch der AfD-Vize-Landesvorstand Sven Simon ist mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern zurückgetreten: "Die Ausrichtung der AfD macht mir Sorgen und lässt mich zweifeln, ob ich noch in der Partei bin, in die ich eingetreten war. Ich verzichte ich gegenwärtig auf jede Richtungsdiskussion und bin gespannt auf die kommenden Personal- und Programmdebatten. Für unser Land hoffe ich, dass die AfD ihrer Verantwortung als einzige Alternative zu einer vernünftigen Politik gerecht wird."Auch Vorstand Ralf Nahlob legt seine Ämter nieder: "Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, seit Mai 2013 kämpfe ich nun schon innerhalb der AfD für einen vernünftigen und gemäßigten Kurs der Partei. Mir war es immer wichtig, dass Profil der AfD als bürgerliche und konservative Partei zu stärken und ein Abdriften an den politischen Rand zu verhindern. Eben eine breit aufgestellte Partei für viele konservative Wählerschichten. Dieses Ziel ist leider gescheitert."JA-Chef tritt von Ämtern zurückAuch der Chef der Jungen Alternative, Julien Wiesemann, tritt von seinen Ämtern als Beisitzer im Landesvorstand und als Chef der JA zurück: "Die Entwicklung der Partei und der Jugendorganisation innerhalb der letzten Monate zwingt mich zu diesem Schritt. Die AfD mitsamt ihrer Jugendorganisation ist nicht mehr dieselbe Partei, in die ich 2013 eingetreten bin und für deren Ausrichtung ich 2015 gekämpft habe. Schrille Töne und sonstiges politisches unkluges Agieren Einzelner lassen das gute Programm in den Hintergrund treten. (...) Nicht zuletzt haben die internen Angriffe und Schmutzkampagnen der zurückliegenden Monate, zumeist noch unter dem Niveau des politischen Gegners auch ganz persönliche Spuren hinterlassen. Ich werde als einfaches Parteimitglied die Entwicklung der Partei in nächster Zeit beobachten."Auch Judith Seifert tritt ausAuch JA-Landesvorstand-Mitglied Judith Seifert aus Treuen erklärte am Freitagnachmittag ihren Rücktritt aus der JA. "Hiermit gebe ich meinen sofortigen Austritt aus der Jungen Alternative für Deutschland bekannt, da die JA nicht mehr das ist, wofür ich ich eingetreten bin." Pressesprecher und Landesvize Hartung legte Amt niederBereits am Mittwoch hatte der Landesvize und Pressesprecher Thomas Hartung seine Posten niedergelegt. Er bleibe aber AfD-Mitglied, teilte Hartung mit: "Ich sehe derzeit zwei für mich unvereinbare Strömungen in der AfD. Wie beide Strömungen in Sachsen innerhalb von zwei Jahren Regierungswilligkeit demonstrieren und Regierungsfähigkeit annehmen wollen, was für mich die Grundaufgabe jeder Partei einerlei wann und mit wem ist, sehe ich dagegen nicht – obwohl ich am Montag genau das für 2019 postulierte. Zwischen abstrusen Besen und anderen Metaphern für Amts- und Mandatsträger sowie verbalen Aufrufen zur Hexenjagd auf selbständig Denkende liegt ein Spektrum, das für mich nicht mehr abbildbar, daher auch nicht mehr repräsentabel und erst recht nicht mehr ohne Radikalität kommunikabel ist." Er bleibe Mitglied der Partei und bleibe stellvertretender Leiter des Landtagfachausschusses für Bildung & Medien (LFA 6).