• In Freital wurden zuletzt Böller an einer Asyl-Unter­kunft gezündet, ein Bewohner wurde leicht verletzt. (Foto: Polizei)

Razzia in Freital und Dresden gegen rechtsextreme Gruppe

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Die General­staats­an­walt­schaft Dresden hat nach mehreren Anschlägen in Dresden und Freital eine rechts­ex­treme Gruppe bei einer Razzia am Donners­tag­morgen ausge­hoben. Die Gruppe soll für Anschläge auf eine Asyl-Unter­kunft in Freital auf der Wilsdruffer Straße, auf ein alter­na­tives Wohnpro­jekt in der Overbeck­straße in Dresden, sowie den Angriff auf ein Auto von Pro-Asyl-Demons­tranten mit einem Baseball­schläger an einer Tankstelle an der Tharandter Straße verant­wort­lich sein.

Haken­kreuz­flagge und Spreng­mittel sicher­ge­stellt

Seit 06.00 Uhr morgens durch­suchten 28 Polizisten und zwei Staats­an­wälte insge­samt neun Wohnungen in Dresden und Freital. Bei der Durch­su­chungs­ak­tion sind illegale Böller, Schwarz­pulver, Computer, eine Haken­kreuz­flagge und weitere natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Devotio­na­lien sicher­ge­stellt worden, teilten die Ermittler mit.

Ein 26-Jähriger sitzt in Unter­su­chungsaft, gegen ihn lagen zwei Haftbe­fehle vor. Drei weitere Tatver­däch­tige, ein 24-jähriger Dresdner, ein 28-jähriger Freitaler und eine 27-jährige Freita­lerin wurden vorläufig festge­nommen, sie werden dem Haftrichter vorge­führt, teilte die General­staats­an­walt­schaft mit.

Drei Anschläge seit Juni 2015

Zwei Anschläge in Dresden und Freital im November und Oktober 2015 und ein Angriff mit Baseball­schläger auf ein Auto von Teilneh­mern einer Pro-Asyl-Demo im Juni 2015 an einer Tankstelle werden der Gruppe vorge­worfen.

Die Anschläge im Detail:

1. November: Anschlag auf Flücht­lings­woh­nung in Freital

Der 26-jährige Freitaler und die 27-Jährige sollen am 1. November den Sprengstoffanschlag auf eine Wohnung von Flüchtlinge auf der Wilsdruffer Straße in Freital verübt haben. Ein Asylbewerber wurde dabei leicht verletzt.

19. Oktober: Anschlag auf alter­na­tives Wohnpro­jekt in Dresden

Insge­samt sieben Verdäch­tige der Gruppe sollen in der Nacht zum 19. Oktober den Anschlag auf ein alternatives Wohnprojekt in der Overbeckstraße in Dresden verübt haben. Sie nutzen dabei Sprengmittel und Buttersäure, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

24. Juni: Angriff auf Auto an Tharandter Straße

Zudem soll der 26-jährige Freitaler gemeinsam mit weiteren Beschul­digten ein Auto von Teilnehmern einer Pro-Asyl-Demo mit zwei Autos verfolgt haben. An der Tankstelle an der Tharandter Straße soll die Gruppe das Auto eingekeilt haben, anschlißend schlug einer der Tatverdächtigen mit einem Baseballschläger auf die Scheiben des Fahrzeuges. Ein Insasse wurde verletzt. In dem Auto saß auch der Sohn von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Die Gruppe kam von einer Pro-Asyl-Demo in Freital.

Ulbig: "Wir lassen Taten folgen"

Innen­mi­nister Markus Ulbig sagte am Donners­tag­vor­mittag, dass es einen Einsatz des Sonder­de­zer­nates Politisch motivierte Krimi­na­lität (PMK) bei der Integrierten Ermitt­lungs­ein­heit Sachsen (Ines) gebe. "Wir reden nicht nur, wir lassen auch Taten folgen", sagte Ulbig zu dem Einsatz.

In einer schrift­li­chen Stellung­nahme teilte Ulbig außerdem mit:

"Der Einsatz in Freital und Dresden zeigt, dass der Freistaat Sachsen nicht nur Willens, sondern auch in der Lage ist, konse­quent gegen rechte Gewalt­täter und Brand­stifter vorzu­gehen. Das werden wir auch in Zukunft tun. Gewalt gegen Flücht­linge und feige, nächt­liche Übergriffe auf Asylun­ter­künfte, sind auch in der aktuellen europäi­schen Flücht­lings­krise in keiner Weise zu tolerieren. Ich hoffe, dass damit das klare Signal im ganzen Land ankommt, dass in Sachsen für Gewalt­täter und Brand­stifter in unserer Gesell­schaft kein Platz ist.“

Kopf von Freitaler Bürger­wehr in Haft

Wie der MDR meldete, sei der Haupt­ver­däch­tige der Kopf der sogenannten Bürger­wehr Freital. Der Gründer der Facebook-Seite Bürger­wehr "FTL / 360", Timo S., sei bei der Aktion festge­nommen worden, seine Wohnung sei durch­sucht worden, berich­tete der MDR. Die Ermittler der General­staats­an­walt­schaft wollten dazu keine Angaben machen unter Hinweis auf das laufende Ermitt­lungs­ver­fahren.

Facebook-Seite "FTL / 360" im Fokus

Die Facebook-Seite "FTL / 360" hat in ihrem Profil­bild den Spruch "Im Osten ist es Tradi­tion, da knallt es vor Silvester schon" veröf­fent­licht. Die Seite hatte in den vergan­genen Monaten zu Protesten vor Asylun­ter­künften aufge­rufen und sich an Demos in Freital und Heidenau betei­ligt oder die Demons­tra­tionen in Dresden-Laube­gast unter­stützt. Die Räumung einer symbo­li­schen Blockade in Dresden-Übigau wurde von den Seiten­be­trei­bern mit "ACAB" kommen­tiert (ACAB steht für "All Cops are Bastards").

Bei Facebook markierte der mutma­ß­liche Kopf von "FTL / 360" unter anderem die Seiten der "Freien Kamerad­schaft Dresden", der "Identi­tären Bewegung" oder "Initia­tive Heimat­schutz" oder "Sachsen Antifa-frei" mit "Gefällt mir".

Reaktionen bei Facebook

Auf der "FTL / 360"-Facebook­seite kommen­tierten zahlreiche Nutzer die Razzia positiv. Jules schrieb "Bürger-WER" und Marlon kommen­tiert: "Immer dran denken: Nur nicht die Seife fallen lassen!" Und Paul schrieb zu der Durch­su­chungs­ak­tion: "Spät aber noch nicht zu spät!"

Der Artikel wird um neue Infor­ma­tionen fortlau­fend ergänzt.