Radebeul bekommt Kulturamtsleiterin
Nach wochenlangem Streit um die Wahl des Schriftstellers Jörg Bernig zum Kulturamtsleiter von Radebeul und dessen Verzicht nach starkem öffentlichen Protest ist der Posten nun neu vergeben. Der Stadtrat wählte am Montagabend in nichtöffentlicher Sondersitzung „mit großer Mehrheit“ die aus dem Erzgebirge stammende Kulturmanagerin Gabriele Lorenz, wie die Verwaltung danach mitteilte. Es war der zweite Anlauf für die 58-Jährige, die vor gut drei Wochen dem von Kritikern der neu-rechten Szene zugeordneten Autor Bernig knapp unterlag. Sie ist Sachgebietsleiterin für Kultur, Tourismus und Marketing in Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) und soll nun das neue Amt zum nächstmöglichen Termin antreten.
Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) hofft, dass die mit Bernigs Wahl am 20. Mai entstandene Polarisierung und Spaltung überwunden werden kann. „Die Leitung des Kulturamtes erfordert es, Brücken zu bauen, Kulturschaffenden eine Bühne zu geben und durch moderierendes Agieren gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Akzeptanz zu fördern, sowie Dialog zu ermöglichen“, sagte er.
Lorenz stammt aus Bad Schlema, studierte in Mainz (Hessen) Romanistik, Germanistik und Ethnologie und promovierte an der Universität Nancy über die Entwicklung des konservativen Denkens in Frankreich. 1995 bis 2004 war sie in der Kulturabteilung der Französischen Botschaft tätig. „Radebeul hat alles, was mein Kulturherz höher schlagen lässt“, sagte sie und versprach, die vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft mit internationaler Ausstrahlung zusammen mit den Künstlern und Bürgern weiterzuentwickeln, „identitätsstiftend und weltoffen“.
Nach Bernigs Wahl mutmaßlich mit Stimmen von CDU und AfD war ein öffentlicher Proteststurm ergangen, der über die Stadt und Sachsen hinausreichte. Tage später hatte der Oberbürgermeister auf Grundlage der sächsischen Gemeindeordnung Widerspruch gegen den Beschluss eingelegt, den er als nachteilig für die Stadt vor den Toren Dresdens erachtete, und das Parlament um Überprüfung gebeten.
Am vergangenen Donnerstag hatte Bernig überraschend seinen Verzicht erklärt und den von einigen Stadträten ausgelösten und dem Radebeuler Kultur e.V. beförderten Protest kritisiert. Oberbürgermeister Wendsche entschuldigte sich nun „im Namen der Stadt und des Stadtrates für die öffentliche Beschädigung“ - bei Bernig und Lorenz.