++ EIL ++

Mord in Dresdner Plattenbau: Prozess beginnt von vorn

Zuletzt aktualisiert:

Der Prozess um den Mord an einer jungen Mutter in einem Plattenbau an der St. Petersburger Straße in Dresden wird ab Montag  komplett neu aufgerollt. Das Verfahren musste im November abgebrochen werden, nachdem eine Richterin längere Zeit erkrankt war. Gesetzlich vorgegebene Fristen konnten dadurch nicht eingehalten werden, deshalb müssen nun viele der Zeugen ihre Aussagen wiederholen.

Der 31-Jährige Angeklagte hatte im ersten Prozess bereits gestanden, dass er seine Ex-Freundin nach einem Sorgerechtsstreit umgebracht hat. Der Ukrainer ließ vor dem Landgericht durch seine Verteidigerin eine Stellungnahme verlesen. Darin räumte er zwar ein, seine Ex-Freundin getötet zu haben, schilderte den Tathergang jedoch in einer anderen Reihenfolge und Darstellung als die Anklage.

Der Ukrainer soll die Frau nach einem Sorgerechtsstreit in ihrer Wohnung an der St. Petersburger Straße umgebracht haben. Als sie die Tür öffnete, soll er unvermittelt zwei Mal mit einem Messer auf die junge Mutter eingestochen haben. In ihrer Verzweiflung flüchtete sie ins Wohnzimmer, stolperte und stürzte. Doch Igor P. ließ nicht von ihr ab und stach weiterhin vier Mal auf sie ein. Sie erlag kurze Zeit später ihren schweren Verletzungen.

Im Zentrum des Dramas scheint der gemeinsame Sohn des Paares zu stehen, der zur Tatzeit gerade einmal ein Jahr alt war. Schon im Vorfeld der grausamen Tat gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen dem Paar, insbesondere bezüglich des Sorgerechts und eines angedachten Wechselmodells für den kleinen Jungen. Erschreckend: Das Kind befand sich zur Tatzeit in der Wohnung, soll aber bereits im Bett gelegen und geschlafen haben.

Als die Frau ihm bei einem Streit um das gemeinsame Kind eröffnete, dass sie das alleinige Sorgerecht wolle, habe er in der Küchenspüle ein Messer gesehen und zugestochen, erklärte die Verteidigerin im ersten Prozess. Ihr Mandant sei fassungslos gewesen. Sie sprach von einer Spontantat. „Für ihn brach eine Welt zusammen.“

Die Staatsanwaltschaft geht im Ergebnis der Ermittlungen davon aus, dass die Tötung heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen erfolgte. Das Motiv sei Machtanspruch gegenüber der Kindsmutter und Bestrafung. Nach Angaben der Verteidigerin gab es immer wieder Streit wegen des Umgangs mit dem knapp Anderthalbjährigen zwischen den seit Monaten getrennten Eltern.

Der Beschuldigte wurde am 16. Oktober 2022 festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind Verhandlungstage bis Februar 2024 angesetzt.