Prozess zu Anschlag auf Moschee in Dresden-Cotta gestartet

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Wegen Sprengstoffanschlägen auf die Moschee in Dresden-Cotta und das Kongresszentrum muss sich seit Mittwoch ein 31-Jähriger vor Gericht verantworten. Die ihm vorgeworfenen Taten hatten im September 2016, wenige Tage vor der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden, bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann, der 2015 auch als Redner auf der Pegida-Bühne stand, neben dem Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen unter anderem auch versuchten Mord in vier Fällen vor.

Am Landgericht Dresden wurden zum Prozessauftakt die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Neben der üblichen Einlasskontrolle für das Gericht, wurde auch am Gerichtssaal eine weitere Kontrollstation mit Metalldedektor aufgebaut. Auch das Medienintresse zum Auftakt war groß, mehrere Kamerateams waren am ersten Prozesstag vor Ort.

Erster Prozesstag rasch beendet

Der erste Prozesstag wurde nach der Anklageverlesung beendet. Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht. Für kommenden Montag wurde eine Aussage des Angeklagten angekündigt, teilte seine Anwältin mit. Eine Vertreterin der Nebenklage kritisierte, dass der Fall nicht vom Bundesanwalt in Karlsruhe angeklagt wurde.

Sprengsätze mit "Mosche" und "Linke" beschriftet

Laut Anklage soll Nino K. aus ausländerfeindlichen Motiven vor der Tür der Fatih Camii Moschee auf der Hühndorfer Straße drei selbstgebaute Rohrbomben sowie Behälter mit brennbarer Flüssigkeit abgelegt und mittels Zeitschaltuhr gezündet haben. Der Beschuldigte habe gewusst, dass sich die vierköpfige Familie des Imam in der Wohnung hinter der Tür befand. "Zu schwerwiegenderen Folgen kam es nur deshalb nicht, weil die Spreng- und Brandvorrichtung nicht wie geplant vollständig gezündet hat", heißt es in der Anklage. Anschließend habe der Mann auf dem Dach des Kongresszentrums einen weiteren Sprengsatz gezündet. Dort blieb es ebenfalls bei Sachschaden. Dieser wurde auf über 20.000 Euro geschätzt.

Eine Attrappe soll er an der Eisenbahnbrücke neben der Marienbrücke platziert haben, dieser wurde in der Anklage allerdings nicht erwähnt. Zwei Sprengsätze soll er in der Weißeritz (kurz vor der Mündung in die Elbe) bzw. in der Elbe versenkt haben. Zudem soll in seiner Wohnung ein über vier Kilogramm schwerer einsatzbereiter Sprengsatz sichergestellt worden sein. Seine Wohnung war nur wenige hundert Meter vom Tatort entfertn.

Auf dem Sprengsatz in Cotta war laut Anklage "Mosche" (sic) geschrieben, auf einem Sprengsatz, der in der Elbe gefunden wurde, stand "Linke".

Am 9. Dezember war Nino K. auf Montage auf einer Baustellen in Hessen nach der Auswertung von DNA-Spuren festgenommen worden. Die Polizei hatte bei ihrer Fahndung zeitweise auch Überwachungsvideos veröffentlicht. Ermittlungen zu einem möglichen Mittäter, der möglicherweise vom Anschlag wusste oder den Tatverdächtigen zumindest bestärkt haben soll, wurden im Verlauf des Ermittlungsverfahrens eingestellt. Der entsprechende Verdacht habe sich nicht erhärtet, hieß es damals.

Für den Prozess hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Dresden bis Anfang April zunächst 13. Sitzungstage anberaumt.