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Prozess gegen Bestatter beginnt mit Rettungseinsatz

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Ein Bestatter muss sich seit heute vor dem Amtsgericht Bautzen verantworten. Dem 44-Jährigen wird vorgeworfen, im Oktober 2019 mit nachgemachten Schlüsseln in die Wohnung seiner Ex-Frau eingedrungen zu sein und im Schlafzimmer eine Kamera installiert zu haben.

Doch dem nicht genug. Vier Monate später soll er dann in der Wohnung des neuen Lebensgefährten der Frau Feuer gelegt haben.  Er wird beschuldigt eine Couch in Brand gesetzt zu haben. Das Feuer griff wenig später auf die Wände im Wohnzimmer und die Deckenverkleidung über. Es entstand ein Schaden von mehr als 18.000 Euro.

Zum Prozessauftakt räumte der Bestatter ein, die Kamera eingerichtet zu haben. Allerdings habe er die Schlüssel zur Wohnung nicht nachgemacht, sondern seiner Frau aus der Tasche entwendet und später wieder zurückgelegt. Die Kamera wurde in einer Tasche getarnt auf das Bett ausgerichtet. Das Objektiv sei aber durch einen Gegenstand verdeckt gewesen. Nur der Angeklagte hatte sich unbeabsichtigt selbst gefilmt.

Über Monate hinweg habe er zuvor verschiedene Briefe und Gegenstände aus dem Privatbesitz seiner Ex-Frau und dessen neuen Freund erhalten. So landeten unter anderem auch BH’s und Unterwäsche im Briefkasten des Mannes. Zudem seien auch seine drei Söhne (24, 19 und 12 Jahre alt) zunehmend ins Visier der Streitigkeiten geraten. „Ich habe mich panisch und wirr entschlossen, diesen Weg zu gehen.“, sagte der Angeklagte. Er habe mit den Videoaufnahmen nicht die Beziehung des Paares ausspionieren wollen, sondern vielmehr beweisen wollen, dass der neue Lebensgefährte hinter den Briefen und Anfeindungen stecke. Das sei ein Fehler gewesen.

Die Brandstiftung in der Wohnung des neuen Freunds bestritt er aber. Damit habe er nichts zu tun. Ein Zeuge widerspreche diesen Aussagen. Ihm gegenüber soll er zugegeben haben, dass der Brand auf sein Konto gehe. Darauf angesprochen erklärte der Angeklagte, er sei falsch verstanden worden. Er habe bei zwei Bier spöttisch gesagt, das „wahrscheinlich auch das wieder er gewesen sein wird.“, erklärte er zu seiner Verteidigung.

Heute zu Prozessbeginn traten einige Widersprüche zu Tage. So sei unter anderem beim Feuer in der Wohnung kein Brandursachenermittler hinzugezogen wurden. Ein entsprechendes Gutachten eines Spezialermittlers existiert nicht. Auch gibt es Widersprüche zum Aufenthalt des Angeklagten. Nun sollen Zeugen gehört werden.

Die Verhandlung musste heute allerdings noch vor Beginn der Beweisaufnahme wegen eines medizinischen Notfalls abgebrochen werden. Während der Sitzungspause ist die Ex-Frau des Angeklagten auf dem Gerichtsflur zusammengebrochen. Rettungskräfte versorgten die Frau. Die Hauptverhandlung wurde vorerst ausgesetzt. Mit einer Fortsetzung wird erst im Herbst gerechnet.