++ EIL ++

Onlinebetrüger gaukelt Frau in Zeithain die große Liebe vor und zockt 30.000 Euro ab

Zuletzt aktualisiert:

Die Masche nennt sich Love-Scamming, dabei spielen Betrüger mit den Gefühlen ihrer Opfer und bestrafen sie gleich doppelt. So ist es auch einer 55-jährigen Frau aus Zeithain passiert. Die Frau hat 30.000 Euro an einen Trickbetrüger überwiesen.

Begonnen hatte die vermeintliche Romanze im April. Per Facebook hatte die Frau Kontakt zu einem angeblichen US-Soldaten. Im Laufe der Wochen kam sich die Frau mit dem Unbekannten online näher, er gab an noch im Kriegsdienst in Syrien zu sein. Er behauptete, sich nach dem Dienst mit der Frau ein neues Leben in Dresden aufbauen zu wollen.

Der Mann war dabei so überzeugend, dass die Zeithainerin ihm irgendwann blind vertraute: er berichtete von Problemen mit dem Zoll und benötige Geld. Die Frau überwies daraufhin in sechs Transaktionen insgesamt 30.000 Euro. Erst als der Täter noch mehr Geld forderte, wurde die Frau langsam misstrauisch. Anfang Juni ging sie zur Polizei und es wurde ihr klar: sie wurde Opfer einer miesen Betrugsmasche. Das Geld wird die Frau vermutlich nicht wieder sehen, teilte eine Sprecherin der Dresdner Polizei mit.

213 Fälle in Sachsen - Dunkelziffer deutlich höher

Im vergangenen Jahr haben 213 Menschen in Sachsen entsprechende Fälle erlebt und angezeigt. Die Dunkelziffer ist laut Landeskriminalamt vermutlich deutlich höher.

Das LKA veröffentlichte kürzlich umfassende Warnhinweise:

Diese Form des Betruges wird „Romance Scam“ oder „Romance-Scamming“ oder „Love Scamming“ genannt und ist dem Phänomen der „Nigeria-Connection“ zuzuordnen. Es geht den Tätern nur ums Geld, eine persönliche echte Verbindung war und ist nie vorgesehen. Es werden über soziale Netzwerke Kontakte zu den Opfern, in den allermeistern Fällen sind es Frauen, hergestellt und eine Vertrauensbasis aufgebaut. Danach wird eine Notlage erfgeunden, die Mitleid bei den Betroffenen auslöst. Die Opfer überweisen dann vertrauensvoll Geld per Western Union meist nach Ghana, Nigeria, den USA, Großbritannien, der Türkei oder auch Russland. Bei Internetbekanntschaften mit Russland handelt es sich um angeblich heiratswillige Frauen, die dann ihre Opfer abzocken.

Eine Recherche des Landeskriminalamtes im polizeilichen Auskunftssystem Sachsen ergab 213 derartige Fälle. Enthalten sind Fälle die sich zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2017 ereignet haben sowie Fälle, die erst im Jahr 2017 angezeigt wurden, sich aber vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben (32 Fälle). Die Schadenssumme belief sich auf 1 609 666 Euro.

60,2 Prozent der Geschädigten sind Frauen im Alter ab 40. Insgesamt wurden 45 Tatverdächtige ermittelt.

Die recherchierten Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig, da man von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen muss. Viele Opfer schämen sich diesen Betrug anzuzeigen. Das wissen leider auch die Täter. Daher versucht die Polizei immer wieder präventiv zu informieren, Fälle beispielhaft bekannt zu machen - denn ohne entsprechende Anzeigen und Verfahren können die Behörden nicht tätig werden!

Aber wie kann man das sogenannte Love-Scamming erkennen und wie kann man sich davor schützen?

• Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Betrüger an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel.

• Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.

• Meist werden den Opfern Bilder ihrer Internetbekanntschaften in schlechter Qualität gezeigt, da sie illegal erlangt wurden. Ausnahme: Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind.

• Seriös wirkende Mails sollen das Interesse wecken aber schon nach kurzer Zeit überhäufen die Scammer ihre Opfer mit Liebesschwüren. Sie wollen alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt eine Rolle

• Die Täter sprechen dann oft von Geschäftsreisen oder familiären Schwierigkeiten und einer Verbindung nach Westafrika wie Nigeria, Ghana oder dem Senegal, aber auch nach Russland und Südostasien. Frauen geben häufig vor, in osteuropäischen, südost-asiatischen oder südamerikanischen Ländern zu leben.

• Betrüger bitten ihr Opfer aus unterschiedlichsten Gründen um Geld. Weigert es sich zu zahlen, finden Betrüger andere Wege der Bereicherung. Dabei scheuen die Scammer nicht, erpresserische Methoden anzuwenden, sogar mit Selbstmord wird gedroht. Beispielsweise sollen Schecks (die allerdings gefälscht sind) in Deutschland eingezahlt werden oder Briefe bzw. Päckchen sind an dritte Personen zu versenden, die Betrüger bitten um Kopien von Ausweisen und verwenden diese Daten für weitere Fälschungen.

• Wenn man tatsächlich Zweifel an seiner Internetbekanntschaft hat, sollte man sich einer befreundeten aber neutralen Person anvertrauen und sich über das Thema und die neu gewonnene „Liebe“ austauschen und um eine zusätzliche unvoreingenommen Meinung zu bekommen.

• Außerdem kann eine Suchmaschine in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen, wenn Sie den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz „Scammer“ eingeben.