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Oberlausitzer Waggonbauer bringen Dresdens Bahnen auf die Schiene

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Ihr künftiger Fahrplan steht bereits fest: Die neuen Bombardier-Straßenbahnen aus der Oberlausitz sollen auf den nachfragestärksten Linien 2 und 3 im Netz der Dresdner Verkehrsbetriebe rollen. Etwa in einem Jahr sollen die leichten Flexity-Bahnen in der Landeshauptstadt in den Probebetrieb starten.

Bei einem Vor-Ort-Termin hat der Fahrzeughersteller in Görlitz seinem Auftraggeber nun den ersten Rohbau des Auftrags über 30 neue Fahrzeuge präsentiert. „Diese Wagenkästen sind eines der ersten Straßenbahn-Projekte, das in der neu installierten Produktionslinie in Görlitz gebaut wird. Ich freue mich, dass wir diesen Meilenstein erreicht haben“, sagte Dirk Wunderlich, verantwortlich für das Bombardier-Nahverkehrsgeschäft, am Mittwoch. 

Für Bombardier-Standortleiter Carsten Liebig steht das Projekt beispielhaft für den Umbau des Werks vom Doppelstockwagen-Spezialisten zum Stadtbahn-Experten. „Wir sehen hier zum ersten Mal ein weiterentwickeltes Modul für die sächsische Landeshauptstadt. Es zeigt, dass sich die Anstrengungen der letzten eineinhalb Jahre auf einem neuen Feld, nämlich der Produktion von Straßenbahnen, gelohnt haben“, sagte der Betriebsleiter. Mit dem Bau des ersten Fahrzeugs für die DVB haben die Görlitzer Waggonbauer im August begonnen, der Innenausbau folgt ab Februar 2021 am Bombardier-Standort Bautzen.

Die neuen Flexitys sind breiter als herkömmliche Fahrzeuge, verfügen über große Panoramafenster sowie moderne Klima- und Sicherheitseinrichtungen - etwa ein Fahrassistenzsystem. In ihren Bau sind auch Wünsche der Fahrgäste eingeflossen. „Wir freuen uns, dass Bombardier die Ausschreibung gewonnen hat. Uns begleitet eine jahrelange Partnerschaft. Für uns ist die Wertschöpfung in Sachsen wichtig“, sagte DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach. Ein Großteil der DVB-Straßenbahn-Flotte wurde vom Oberlausitzer Waggonbauer gefertigt und soll sukzessive durch neue Fahrzeuge ersetzt werden. 

Die erste neue Stadtbahn mit 290 Sitzplätzen und 43 Metern Länge wird voraussichtlich im August 2021 in Dresden eintreffen. Bis Herbst 2023 sollen alle 30 Stadtbahnen an die Landeshauptstadt ausgeliefert sein. „Wir haben außerdem eine Option auf die Bestellung von zehn weiteren Bahnen“, sagte Hemmersbach. Das gesamte Investitionsvolumen einschließlich Herstellung, Service und Wartung beträgt rund 197 Millionen Euro. Den Kauf der Stadtbahnen unterstützt der Freistaat Sachsen mit über 102,8 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung. 

Die Mitarbeiter der sächsischen Bombardier-Werke setzen auf weitere Aufträge. Zuerst müsse die Produktionskapazität verdoppelt werden. „Wir sind dabei, eine dritte Straßenbahnlinie im Werk Görlitz zu errichten. Wir werden dann eine Fließfertigung realisieren, um die Effektivität zu erhöhen und den Kunden die Produkte schneller zur Verfügung stellen zu können“, sagte Liebig. Die Serienfertigung soll ab Mitte kommenden Jahres für alle Produkte im Zweischicht-System in den Betrieb gehen. Insgesamt sollen im kommenden Jahr in diesen Neubau sechs Millionen Euro investiert werden. Aufträge für Straßenbahnen gibt es unter anderem aus Göteborg, Essen, Zürich und Wien.