• Angeklagte Beate Zschäpe im Gerichtssaal am Oberlandesgericht München (c) Peter Kneffel/dpa

NSU-Nebenklägerin hält Zschäpe für "Mastermind"

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Erstmals hat eine Nebenklägerin im NSU-Prozess der Hauptangeklagten Beate Zschäpe eine bedeutendere Rolle zugeschrieben als die Bundesanwaltschaft es tut. Angela Wierig, Anwältin der Schwester des 2001 ermordeten Hamburger Einzelhändlers Süleyman Tasköprü, bezeichnete Zschäpe am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München als "Mastermind" und "Gründerhirn" der Terroristen. Sie habe frühere Aktionen der Gruppe als "nicht zielführend" kritisiert und dafür gesorgt, dass "aus Aktivisten Terroristen wurden".

Die Bundesanwaltschaft hatte dagegen den mitangeklagten Ralf Wohlleben als "steuernde Zentralfigur" hinter dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) bezeichnet. Zschäpe ist als Mittäterin an allen zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und weiteren Verbrechen des NSU angeklagt. Die Bundesanwaltschaft hat lebenslange Haft für sie gefordert.

Anders als viele Nebenkläger bestritt Wierig auch "institutionellen Rassismus" bei den Behörden. Zu anderen Punkten der Beweisaufnahe in dem Verfahren vertrete sie ebenfalls "divergierende Einschätzungen" zu denen anderer Anwälte der Nebenklage. So bezweifelte Wierig, dass während des Prozesses die Schuld des wegen Beihilfe zum neunfachen Mord angeklagten Wohlleben bewiesen werden konnte. Die Bundesanwaltschaft hält es dagegen für erwiesen, dass Wohlleben die Mordwaffe vom Typ "Ceska" beschafft habe. (dpa)