- Wohnhäuser im Dresdner Stadtteil Gorbitz.
Nach Krisenjahr: Wohnungsgenossenschaften optimistischer
Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) blickt nach einer Krisenstimmung im Vorjahr verhalten optimistisch in die Zukunft. Bei seiner Jahresbilanz am Donnerstag in Dresden forderte der Verband von der Politik, dass Wohnen bezahlbar bleiben müsse. VSWG-Vorstand Mirjam Philipp zog mit Blick auf die Zahlen ein vorläufiges positives Resümee. „Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften waren bis jetzt ein Garant für sicheres und bezahlbares Wohnen im Freistaat. Aber das müssen wir auch so bleiben können, denn es ist längst zu einem Ringen geworden.“
Laut Philipp hat die kriegsbedingte Energiekrise gezeigt, dass „die Ziele der Klimaneutralität mit den Zielen der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit verbunden werden müssen“. Die Heizkosten seien nach vorläufigen Daten im Vorjahr um rund 40 Prozent auf 1,45 Euro pro Quadratmeter im Monat gestiegen. Bezahlbares Wohnen heiße vor allem bezahlbare Energie - und die müsse im Fokus der Politik stehen. Im Gegensatz zu den Nebenkosten sei die durchschnittliche Nettokaltmiete bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften nach Schätzungen nur moderat auf 5,20 Euro bis 5,30 Euro pro Quadratmeter gestiegen.
„Wenn die Mieteinnahmen nahezu konstant bleiben, die Baukosten aber um 20 Prozent und mehr steigen, fehlt letztlich Geld für wichtige - auch energetische - Investitionen“, erklärte Sven Winkler, Referent für Betriebswirtschaft beim VSWG. Wegen der Baukostensteigerungen könnten bis zum kommenden Jahr etwa 30 Prozent der ursprünglich geplanten Neubauprojekte nicht stattfinden. Sie müssten entweder komplett storniert oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das betreffe etwa 150 Wohnungen. Der Rückgang bei den geplanten Modernisierungen - etwa der Bau von Aufzügen, Änderungen am Grundriss oder auch Maßnahmen zur Energieeinsparung - liege bei 14,7 Prozent.
Nach Angaben von Philipp gibt derzeit jede dritte sächsische Wohnungsgenossenschaft an, den Umfang der Maßnahmen reduzieren zu müssen. „Bezahlbares Wohnen bedeutet demnach auch, dem Vermieter Luft zum Atmen lassen. Denn der Erhalt des bezahlbaren, attraktiven Wohnens kann nur funktionieren, wenn Geld für Investitionen in Instandhaltung und Modernisierung bleibt.“ Grundlagen dafür seien neben Versorgungs- und Preissicherheit für Wärme und Energie „verlässliche, planbare sowie auskömmliche Förderinstrumente mit Zuschüssen und langfristigen Zinsbindungen für Darlehen und eine Stabilisierung der Baukosten“.
Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften hat 207 Mitglieder, die knapp 300.000 Wohneinheiten und damit rund ein Fünftel (20,5 Prozent) des gesamten Mietwohnungsbestandes im Freistaat betreuen. Die jährlichen Umsatzerlöse liegen bei etwa 1,36 Milliarden Euro. (dpa)
