++ EIL ++

Massive Proteste gegen Kunstwerk-Eröffnung am Neumarkt

Zuletzt aktualisiert:

Zahlreiche Menschen haben am Diens­tag­nach­mittag gegen die Eröff­nung des "Denkmals für den perma­nenten Neuan­fang" demons­triert. Mit Triller­pfeifen übertönten sie die Eröff­nungs­rede von Dresdens Kultur­bür­ger­meis­terin Klepsch. Zudem riefen sie "Hilbert muss weg", der Oberbür­ger­meister war aller­dings nicht vor Ort. Zudem riefen sie "Schande, Schande", von Schrott­kunst war die Rede. Eine ältere Dame sprach von "entar­teter Kunst", eine Begriff­lich­keit aus dem Natio­nal­so­zia­lismus. Mehrere hundert Menschen hatten sich am Neumarkt versam­melt, darunter zahlreiche Gegner des Kunst­werkes. Aller­dings verfolgten auch Befür­worter die Eröff­nungs­reden von Kultur­bür­ger­meis­terin Kleppsch und den beiden Künst­lern aus Hamburg.Wie unser Reporter vor Ort berich­tete, handelte es sich bei den Demons­tranten um zahlreiche Leute, die bereits bei der Eröffnung des Buskunstwerkes demonstriert hatten. Die Polizei hat diesmal einzelne Platzverweise erteilt, die Beamten waren mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort präsent. Gegen 17:00 Uhr kam es erneut zu Rangeleien, die Polizei griff durch. Wie die SZ berichtet hatte, sei das Kunstwerk vergangene Woche beim Aufbau sogar mit Pfannen und Töpfen beworfen worden.Hinter­gründe zum neuen Kunst­werk auf dem NeumarktDie Skulptur wird für zwei Jahre auf dem Neumarkt eine Dreiecks­kon­stel­la­tion mit den vorhan­denen Denkmä­lern Martin Luthers und Fried­rich August des II. bilden, teilte die Stadt mit. Sie besteht aus einer umgebauten und in Hautfarbe lackierten Hebebühne, auf deren Platt­form Teilab­güsse von bekannten Dresdner Denkmä­lern zu einer dreidi­men­sio­nalen Collage zusam­men­ge­fügt sind.Auf der Arbeits­fläche der Hebebühne steht eine große Bronze­hohl­kugel auf einer kleinen Säule. Sie nimmt Bezug auf Elfen­bein­drech­sel­ar­beiten aus der Zeit des Absolu­tismus, die in den Dresdner Kunst­samm­lungen ausge­stellt sind.Darüber ist ein bronzener Abguss des rechten Arms der Trümmer­frau beweg­lich in einem Gestänge montiert. Dieser gibt in zufäl­ligen Zeitin­ter­vallen einen hörbaren Schlag auf die Kugel ab. Als drittes Element ist der wehende Schleier einer der Figuren des Mozart­denk­mals mit dem ihn tragenden, tänze­risch bewegten Arm zu sehen.Die Original-Hebebühne wird im ausge­fah­renen Zustand stabi­li­siert. Um die Stand­fläche zu vergrö­ßern werden zusätz­liche Stützen angebracht. Die Gesamt­höhe der Skulptur beträgt 7,46 Meter. Ihre Stand­fläche ist 3,87 Meter mal 2,48 Meter.Der Vorschlag für die Skulptur entstand bereits vor mehreren Jahren. "An ihrem zentralen Standort nimmt die Skulptur eine relati­vie­rende Funktion ein, die sich mit der Archi­tektur des Platzes und seiner Bedeu­tung befasst und Fragen nach einem zeitge­mäßen Gedenk- und Denkmal­ver­ständnis stellt. Mit ihren sensi­blen, konkret an den örtli­chen Zusam­men­hängen ausge­rich­teten Projekten thema­ti­sieren Heike Mutter und Ulrich Genth den öffent­li­chen Raum als ein vielfältig bestimmtes Spannungs­feld. Wichtig ist ihnen dabei ein offener, bisweilen humor­voller und keines­falls beleh­render Umgang mit den jewei­ligen Situa­tionen des konkreten Ortes", sagte Kultur­bür­ger­meis­terin Annekatrin Klepsch.Die Hamburger Künstler Heike Mutter und Ulrich Genth teilten mit: "Als wir 2012 begannen, das Denkmal für den perma­nenten Neuan­fang zu entwi­ckeln, besaß vor allem der Neumarkt noch einen sehr starken musealen und zugleich touris­ti­schen Charakter, auf dem zeitge­nös­si­scher Kunst keine Präsenz einge­räumt wurde. Wir entwarfen die Skulptur als Anregung, die Diver­sität und Komple­xität der histo­ri­schen Bezüge der Stadt anzunehmen und sie in einen Diskurs mit Fragen der heutigen Zeit zu stellen. Inzwi­schen ist dieser Platz zu einem Austra­gungsort politi­scher Konflikte und gleich­zeitig zu einem Ort für Kunst geworden. Dennoch scheint es uns immer noch hochak­tuell, gerade hier ein relati­vie­rendes Zeichen gegen den fortwäh­renden Streit um Deutungs­ho­heiten zu setzen.„Das neue Denkmal soll zwei Jahre lang auf dem Neumarkt stehen. Die senkrecht stehenden Aleppo-Busse auf dem Neumarkt hatten wochen­lang für hitzige Diskus­sionen gesorgt. Einen direkten Bezug dazu gebe es nicht, teilte Klepsch mit.