Lommatzsch erbt 2,6 Mio. Euro von einem Toten
Während viele Kommunen im Freistaat gerade um ihren Haushalt ringen, wurde Lommatzsch nun über Nacht reich. Der Urenkel des Lommatzscher Glasmachers Carl Menzel – übrigens gleichzeitig ein Großcousin von Schauspieler Terence Hill - versprach der Stadt nach seinem Tod 40 Prozent seines Vermögens. Er heißt Ingo Menzel und verstarb mit nur 54 Jahren bereits 2021 ohne weitere Erben in Braunschweig. Damals erfuhr Lommatzsch (4745 Einwohner) zwar schon von einem Erbe, rechnete aber „nur“ mit rund 600.000 Euro, wie uns Bürgermeisterin Anita Maaß erklärte.
Deswegen war die Freude umso größer, als Maaß jetzt den aktuellen Kontoauszug der Stadtverwaltung sah: „Wir haben 2,6 Millionen Euro überwiesen bekommen!“ Mehr als man je erhofft hatte...
Doch die Bürgermeisterin macht klar: „Wir legen das Geld erstmal eine Weile an und werden in Ruhe mit dem Stadtrat entscheiden, wie das Geld eingesetzt wird. Ein Vorschlag von mir, den ich dem Stadtrat unterbreitet habe, ist, damit den Restkredit am Schützenhaus zu tilgen. Das wären 460.000 Euro.“ Denn in dem Schützenhaus feierte einst schon Carl Menzel, der im 19. Jahrhundert einen Glasmacherbetrieb in Lommatzsch gründete, der über Generationen erfolgreich war. Dessen Enkel Gerhard Menzel gründete 1951 eine Glasmacherei in Braunschweig, die sich auf auf die Veredlung von Dünnglaus für medizinische Zwecke spezialisierte. Das Unternehmen wuchs und wurde 1985 von Erie Scientific aus den USA aufgekauft. Der Erlös muss der Grundstock des jahrzehntelang gehegten Vermögens sein. Denn bereits 1993 schenkte Gerhard Menzel Lommatzsch 600.000 D-Mark. Eine halbe Million davon floss damals in die Sanierung des Schützenhauses, doch die letzten Kredite drücken immer noch.
Nun könnte ausgerechnet ein weiterer Nachfahre der Familie Menzel diese finanzielle Last von der Gemeinde nehmen. Doch es gibt auch noch andere Ideen, die der Stadtrat nun diskutieren will. Maaß, die seit 2005 an der Spitze des Lommatzscher Rathauses steht: „Eins ist klar, das Geld wird nicht verfrühstückt. Lommatzch hat, im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen, einen stabilen Haushalt von 12 Millionen Euro Volumen. Das Erbe wird nicht dazu gebraucht, eventuell mögliche Haushaltslöcher zu stopfen.“