Landwirte mit 80 Traktoren rollen zur Spontan-Demo
Am Montagabend trafen sich zahlreiche Landwirte zu einer kurzfristig geplanten Protestfahrt mit ihren Traktoren im
Gewerbegebiet Radeburg. Die Bauern waren mit ca. 80 Traktoren angereist. Ziel war das Großlager der Lebensmittelkette Lidl. Mit einem Korso rund um das Gelände des Lebensmitteldiscounters machten die Landwirte ihrem Unmut über die derzeitigen Zustände im Einzelhandel Luft. Die fordern weiterhin faire Preise für ihre Produkte. Die Aktion verlief friedlich und mögliche Behinderungen des Verkehrs wurden bewußt vermieden.
Hintergrund „Lebensmittelgipfel“ Berlin
Angesichts extremer Billigangebote für Lebensmittel in vielen Supermärkten hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Handel zu fairen Bedingungen für die Bauern aufgerufen. „Wir haben ein gemeinsames Interesse an einer starken regionalen Versorgung“, sagte sie am Montag bei einem Spitzentreffen mit Vertretern von Handel und Ernährungsindustrie in Berlin. Dafür ziele die Politik nicht auf staatlich verordnete Mindestpreise - aber „faire Beziehungen“ der Akteure im Markt, damit Landwirte „auskömmlich“ ihr Geld verdienen könnten. Eine EU-Richtlinie, die Praktiken von Händlern zulasten kleinerer Lieferanten verbietet, soll schnell umgesetzt werden.
Merkel verwies auf eine „gewachsene Sensibilität“ für Qualität und Umweltauflagen, die sinnvoll und richtig seien, aber natürlich auch ihren Preis hätten. Es gehe deswegen um die Frage, dass diejenigen, die Lebensmittel erzeugten, mit den Auflagen „überleben“ könnten. Dabei sei der Handel aber selten direkt mit den Landwirten verbunden. Dazwischen lägen Ernährungswirtschaft, Großabnehmer, Molkereien oder Fleischverarbeiter, mit denen ebenfalls weiterer Dialog nötig sei.
Das Treffen mit Verbänden und Vertretern der Supermarktketten folgte auf einen „Agrargipfel“ bei Merkel im Dezember. Hintergrund sind Proteste von Bauern, die sich gegen neue Umweltauflagen, aber auch gegen Billigangebote für Fleisch und andere Produkte richten. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte nach der Runde ein gemeinsames Treffen mit Handel und Landwirtschaft an. Das Ministerium will unter anderem eine „Beschwerdestelle“ einrichten, bei der Erzeuger Probleme und Dumpingpreise melden können. Zudem soll es eine „Kommunikationsallianz“ von Bauern und Handel zur Wertschätzung von Lebensmitteln geben, die sich laut Klöckner auch im Preis ausdrückt.