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Kultusmi­nisterin räumt Versäumnisse ein und entschuldigt sich

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Den sächsi­schen Schulen stehen schwere Zeiten bevor. „Es ist bisher seit 1990 das schwie­rigste Schul­jahr, was wir vorzu­be­reiten haben“, sagte Kultus­mi­nis­terin Brunhild Kurth (CDU) am Donnerstag wenige Tage vor Ende der Schul­fe­rien: „Fakt ist, dass wir in den nächsten beiden Jahren die voll ausge­bil­deten Lehrer nicht zur Verfü­gung haben werden.“ Man finde auf dem Arbeits­markt einfach nicht genügend grund­ständig ausge­bil­dete Lehre­rinnen und Lehrer. Stellen und Bewerber gingen weiter ausein­ander als in den Vorjahren.  Gründe gibt es laut Kurth viele. Manche wie die Flücht­lings­krise und der damit verbun­dene steigende Lehrer­be­darf habe man nicht voraus­sehen können: „Andere Gründe wiederum schon. Deshalb bedaure ich es sehr und entschul­dige mich dafür, dass die Studi­en­ka­pa­zi­täten für das Lehramt erst im Winter­se­mester 2012/2013 ausge­baut wurden.“ Diese Maßnahmen seien zu spät gekommen, wie man nun bitter erfahren müsse. Denn ein Lehrer­stu­dium dauere mit dem Referen­da­riat mindes­tens sieben bis acht Jahre. „Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen.“  Kurth entschul­digte sich für etwas, was sie als Person selbst nicht zu verant­worten hat. Als sie 2012 ins Amt kam, war der Zug nach Ansicht von Bildungs­ex­perten schon längst abgefahren. Kurth zufolge lagen die Studi­en­an­fän­ger­zahlen beim Lehramt von 2007 bis 2011 bei 1000 bis 1200 pro Jahr. „Überhaupt nicht ausrei­chend“, gestand sie nun. Sie bedaure die angespannte Situa­tion auf dem Arbeits­markt für Lehrer und die Schwie­rig­keiten bei der Unter­richts­ver­sor­gung. Die Regie­rung habe aber aus den Fehlern gelernt und nachjus­tiert.  Für die jetzt zu beset­zenden 1400 Stellen hatten sich laut Kurth nur 1160 ausge­bil­dete Lehrer beworben - die meisten als Gymna­si­al­lehrer. Deshalb muss Sachsen noch mehr als im vergan­genen Jahr auf Seiten­ein­steiger bauen. Ihre Quote bei den Neuein­stel­lungen liegt inzwi­schen bei 52 Prozent. Die Kultus­mi­nis­terin rechnet vor allem zu Beginn des Schul­jahres mit Problemen bei der Abdeckung des Unter­richts. Denn die Seiten­ein­steiger erhalten zunächst eine dreimo­na­tige Fortbil­dung und stehen deshalb erst mit Zeitverzug zur Verfü­gung.  „Jetzt rächen sich die Versäum­nisse der vergan­genen Jahre“, erklärte die Bildungs­ex­pertin der Linken, Cornelia Falken. Das Perso­nal­pro­blem, und wie es zu lösen ist, sei seit langem bekannt: „Und die Behaup­tung, “die Staats­re­gie­rung habe aus den Fehlern gelernt„, ist eine Beschö­ni­gung. Zutref­fender wäre es, davon zu sprechen, dass Not erfin­de­risch macht.“ Falken befürchtet, dass vor allem die Belas­tung der Grund­schul­leh­re­rinnen und -lehrer enorm steigen wird. Nach Ansicht der Grünen laufen die Schulen in Sachsen Gefahr, „im Tal der Tränen unter­zu­gehen“. Die Abgeord­nete Petra Zais bezog sich bei dieser Formu­lie­rung auf eine frühere Äußerung von Kurth. Damals  hatte die Minis­terin davon gespro­chen, dass man gemeinsam durch ein „Tal der Tränen“ gehen müsse: „Der Anspruch und das Streben nach guter Qualität in der schuli­schen Bildung droht im Strudel des Lehrer­man­gels endgültig zu versinken.“