Kritik an Polizeieinsatz am Tag der Einheit
Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat die Polizei gegen Kritik am Einheitsfeier-Einsatz in Schutz genommen. Natürlich sei sie zur Neutralität verpflichtet, sagte er am Dienstagmittag. Angesichts von Demonstrationen linker Gruppen und Pegida-Anhängern gegen die Feierlichkeiten am Montag habe die Polizei aber "den schwierigen Spagat zwischen Fest und Festung insgesamt mit Fingerspitzengefühl gemeistert". Gleichzeitig ging Ulbig auf Distanz zur Lautsprecheransage eines Polizeiführers, der den Anhängern des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses bei einer Demonstration nach Verlesen der Versammlungsauflagen einen "erfolgreichen Tag" gewünscht hatte. In Absprache mit Dresdens Polizeipräsident werde der Vorfall untersucht. Der Polizist wurde ins Präsidium einbestellt, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.Die Krawalle von Pegida-Anhängern an der Frauenkirche, die Besucher des Festgottesdienstes beschimpft und ihnen einen Spießrutenlauf zur Kirche bereitet hatten, beschämten ihn "als Minister und Staatsbürger dieses Landes", sagte Ulbig. Er dankte allen, die an dem Einsatz rund um den Tag der Deutschen Einheit in Dresden beteiligt waren. "Die Polizeidirektion Dresden hat mit personeller Unterstützung aus 13 Bundesländern und vom Bund professionelle Arbeit geleistet."Kritik von SPDEs sei zu klären, warum Pegida ungehindert habe demonstrieren dürfen, während Gegendemonstranten sanktioniert worden seien, sagte SPD-Generalsekretärin Daniela Kolbe am Dienstag in Dresden. "Was unternimmt der Innenminister, um dem fatalen Eindruck entgegenzutreten, die Polizei stünde auf der Seite von Pegida", fragte sie. Sachsen brauche einen starken Innenminister, der Flagge zeige. "Einen Innenminister, der den Demokraten den Rücken stärkt und auf die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit achtet. Leider sehe ich von Innenminister Ulbig dazu gerade gar nichts", so Kolbe weiter. Am Einheitstag müsse auch dem Letzten im Land klar geworden sein, dass etwas falsch laufe. "Nun liegt es an uns allen, mit Anstand und Haltung für ein besseres Sachsen einzutreten." Sie forderte die Staatsregierung auf, Initiativen zu unterstützen, die sich am 17. Oktober, dem zweiten Jahrestag der Pegida-Gründung, Hass und Hetze entgegenstellen wollen. Der Innen-Experte der Grünen, Valentin Lippmann, will eine Anfrage zum Einsatz der Polizei stellen. Dabei soll insbesondere auch die Ungleichbehandlung linker und rechter Demonstranten thematisiert werden. Eine Anfrage unseres Senders beim Dresdner Ordnungsamt soll bis Mittwoch beantwortet werden. Auch die Dresdner Polizei will sich dazu äußern.Böhmermann äußert sichAuch TV-Moderator Jan Böhmermann hatte die Vorgänge bei Twitter thematisiert. Für Wirbel sorgte ein Tweet, in dem er von ignoranten asozialen Sachsen sprach. "Ohne die deutsche Einheit hätte die Welt wohl nie bestaunen dürfen, was es für spektakulär ignorante Asoziale in Sachsen gibt", schrieb Böhmermann. Auch die Aussage des Polizeiführers bei der Pegida-Demo nahm Böhmermann auf's Korn und wünschte der Polizei Sachsen einen "erfolgreichen Tag."Polizei nimmt StellungWir dokumentieren hier die Antworten des Dresdner Polizeisprechers Thomas Geithner auf unsere Anfrage zum Versammlungsgeschehen. Rufe wie "Fotze" und Affenlauten am Neumarkt hatte die Polizei nicht registriert, wird dies nun aufgrund der Berichterstattung prüfen. Die Störaktionen (Raucherpausen) waren vorab bekannt. Unterbunden wurden das Trillerpfeifen-Konzert allerdings nicht, "weil sich die Personen nicht im Zuschauerbereich befanden, sondern im öffentlich zugänglichen Bereich, für den es keine Einschränkungen gab."Auf die Frage, warum die Polizei für Pegida die Versammlungsauflagen verlesen hat, teilte Geithner mit: "Es muss sichergestellt werden, dass die bestehenden Beschränkungen allen Versammlungsteilnehmer bekannt gegeben werden – schon im Sinne der Sicherheit. Ansonsten verweise ich an die Versammlungsbehörde." Der Beamte hatte abschließend Pegida einen "erfolgreichen Tag" gewünscht. Dies verstößt gegen das Neutralitätsgebot. Es handelt sich um einen jungen sächsischen Beamten, der zu einem Gespräch zu Polizeipräsident Kretzschmar geladen wurde, um die Ereignisse mit ihm persönlich nachzubereiten.Auf die Frage, ob nicht der Eindruck entstand, dass beim Einsatz gegenüber linken Demonstranten (Solidarity without limits) und Störern/Pegida mit zweierlei Maß gemessen wurde, teilte Geithner mit: "Eindrücke sind immer subjektive Wahrnehmungen. Auf ihr Entstehen haben wir keinen Einfluss."Amtshilfe-Anfragen von Seiten der Stadt habe es nicht gegeben. Das Ordnungsamt will sich am Mittwoch auf unsere Anfragen äußern.Wir dokumentieren hier Anfrage und Antworten:
Ich wünsche der Polizei Sachsen einen erfolgreichen Tag.
— Jan Böhmermann (@janboehm) 4. Oktober 2016
Ohne die deutsche Einheit hätte die Welt wohl nie bestaunen dürfen, was es für spektakulär ignorante Asoziale in Sachsen gibt.
— Jan Böhmermann (@janboehm) 3. Oktober 2016