++ EIL ++

Darum sind Gorbitz und Prohlis immer wieder Brennpunkte

Zuletzt aktualisiert:

In Dresdens Kriminalitätsstatistik sind die Plattenbaugebiete in Gorbitz, Prohlis und auch Teile der Südvorstadt schon lange eine feste Größe. Doch nun wollte Großvermieter Vonovia wissen, warum es in bestimmten Blöcken immer wieder „brennt“. Sie beauftragte die Sächsische Polizeihochschule mit einem kriminologischen Forschungsprojekt zu „Sicherheit und Ordnung im Quartier 2024“.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Studienleiter Prof. Dr. Marcel Schöne fand mit 15 Studenten heraus, dass in bestimmten Quartieren in Prohlis 55 Prozent der Menschen, die dort leben, keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Der Ausländeranteil in ganz Dresden beträgt im Durchschnitt 12 Prozent. In einem Quartier wurden Mieter aus 92 Nationen gezählt. Zudem sind nahezu alle Wohnungen (99,76 Prozent) belegungsgebunden - heißt, die Stadt bzw. der Vermieter vergibt sie an sozial Bedürftige. Hinzu kommen: 67 Prozent der Mieter im untersuchten Prohliser Quartier sind Männer, nur 33 Prozent Frauen. Die meisten (68 %) leben in einer Ein-Zimmer-Wohnung und sind 30 bis 65 Jahre alt (45 %). Das führe in manchen Blöcken „zu sozialer Verwahrlosung und sozialer Einsamkeit“, so Schöne.

Ähnlich sei die Lage an der Budapester Straße 59 - 69 (Südvorstadt) oder auch in Gorbitz. Auch hier gäbe es „soziale Problemlagen (...), wenn 40 Prozent der Menschen in den Quartieren nur ein bis drei Jahre wohnen“, so Schöne. Durch die hohe Fluktuation gäbe es „wenig soziale Verantwortung“. „Wir haben Probleme vorgefunden mit Vermüllung der Häuser und auch des Vorplatzes, Branddelikten, Sachbeschädigungen, Beleidigungen. Die gibt es auch in anderen Quartieren, aber die konzentrieren sich natürlich in Bereichen, in denen ich über die Auswahl des Zuzugs soziale Konfliktlagen produziere.“

Der Kriminologe sieht die Verantwortung vor allem bei der Stadt und dem Großvermieter, die klug lenken sollten, wer wo welche Wohnung bekommt. Dadurch sollen Ghettos und soziale Abgrenzung abgeschwächt werden. Um den Brennpunkten noch mehr auf die Spur zu kommen, unterzeichneten die Landeshauptstadt, die Polizeidirektion Dresden sowie die Hochschule der Sächsischen Polizei eine Kooperationsvereinbarung zur kommunalen  Kriminalprävention für ganz Dresden. Ziel: Die nachhaltige Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in städtischen Räumen.

Der zuständige Beigeordnete Jan Donhauser: „Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir bei Themen wie Jugendkriminalität oder der Lage in der Innenstadt stehen, müssen wir gemeinsam mit der Polizei neue Wege gehen. Wir wollen strategischer arbeiten und noch genauer wissen, welche Schritte zum Erfolg führen. Ohne Wissen über die Hintergründe von Straftaten oder warum sich die Dresdnerinnen und Dresdner an bestimmten Orten unsicher fühlen, erreicht man nichts.“

Polizeipräsident Lutz Rodig: „Wollen wir Kriminalität wirksam bekämpfen, müssen wir deren konkrete Ursachen kennen, denn sie unterscheiden sich von Ort zu Ort. So liegt ein zentraler Vorteil dieser Kooperation in der engen Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis. Die Hochschule der Sächsischen Polizei bringt ihr Fachwissen und ihre Forschungskompetenz ein, während wir als Polizeidirektion unsere Erfahrungen und Kenntnisse aus dem täglichen Dienst beisteuern. Diese Synergie wird es uns ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen und effektive Strategien zu entwickeln.“

Audio: