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Kretschmer neuer CDU-Chef in Sachsen

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Die sächsische Union hat Michael Kretschmer zum neuen Parteichef gewählt. Der 42-Jährige erreichte am Samstag auf einem CDU-Parteitag in Löbau bei den Delegierten eine Zustimmung von 90 Prozent. Bei sechs Enthaltungen votierten 190 Christdemokraten für Kretschmer und 21 gegen ihn. Das Ergebnis fiel überraschend gut aus. Im Vorfeld hatte es auch kritische Stimmen zu Kretschmer gegeben, der bei der letzten Bundestagswahl sein Direktmandat in Görlitz an einen AfD-Politiker verloren hatte. Kretschmer zeigte sich überrascht von seinem Abschneiden: „Mit diesem Ergebnis habe ich nicht gerechnet.“  In seiner 50-minütigen Bewerbungsrede hatte er einen großen Bogen von der Bundespolitik über internationale Anforderungen bis nach Sachsen geschlagen. Deutschland brauche eine „gesellschaftliche Befriedung“ beim Thema Flüchtlinge und Migration. Dies sei die erste Aufgabe für eine neue Bundesregierung, sagte der 42-Jährige. Wenn eine Befriedung in dieser Frage gelinge, sei viel gewonnen. Dann entziehe man den Populisten viel Boden. Seine Partei forderte er auf, klar zu ihren Fehlern der vergangenen Jahre zu stehen: „Das ist bis jetzt so auf Bundesebene nicht passiert.“ Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) räumte in seiner letzten Rede als Landesvorsitzender Fehler ein. Auch er habe persönliche Entscheidungen getroffen, die korrigiert werden müssten. Allerdings ging er im Verlauf seiner halbstündigen Rede nicht mehr darauf ein. „In Summe können wir sagen: Sachsen steht heute besser da als vor zehn Jahren“, lautete Tillichs Fazit. Er zeigte sich verärgert darüber, dass in der Öffentlichkeit „ein einseitiges Bild von Sachsen“ gezeichnet wird. Damit würden ein ganzes Land und die Leistungen der übergroßen Mehrheit der Sachsen in den Dreck gezogen.  Der geschäftsführende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) dankte Tillich für seine Verdienste. „Das waren gute Jahre für Sachsen unter Deiner Führung“, sagte er und wünschte zugleich Kretschmer die Geschlossenheit und Unterstützung der Partei. „Es wird nicht gehen, wenn alle sagen, wir machen weiter wie bisher, und der Michael Kretschmer wird es schon machen“, sagte de Maizière. Tillich hatte die Verantwortung für das desaströse Ergebnis der Sachsen-CDU bei der Bundestagswahl übernommen und seinen Rücktritt als sächsischer Partei- und Regierungschef angekündigt. Am kommenden Mittwoch soll Kretschmer im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden(dpa)